Warum du unbedingt deinen Zervixschleim beobachten solltest

Warum den Zervixschleim beobachten?

Wenn du schwanger werden möchtest, ist es sehr wichtig, dass du dich mit deinem eigenen Körper auseinandersetzt. Denn im Zyklus einer Frau gibt es nur ungefähr 5 Tage an denen sie schwanger werden kann. Um diese fruchtbaren Tage zu erkennen, gibt es verschiedene Methoden. Ein Anzeichen für den Eisprung und die fruchtbaren Tage kann der Zervixschleim sein. Wenn du ihn genau beobachtest, kannst du viel über das fruchtbare Zeitfenster erfahren.

Die Auswertung des Zervixschleims ist auch als Billingsmthode bekannt. Wenn du den Zervixschleim zusammen mit der Basaltemperatur auswertest, wird dies als symptothermale Methode bezeichnet. Sie zählt zur Natürlichen Familienplanung (NFP) und kann auch zur natürlichen Verhütung verwendet werden.

Was ist Zervixschleim?

Zervixschleim (auch Zervikalschleim genannt) wird von Drüsen in und um den Gebärmutterhals abgesondert. Hormonelle Veränderungen während des Zyklus einer Frau verändern die Menge und Konsistenz dieses Schleims. Zervixschleim kann auch als Zervixflüssigkeit oder Ausfluss bezeichnet werden.

Im ersten Moment mag dir das alles lästig erscheinen. Aber die Natur hat den Zervixschleim natürlich nicht ganz ohne Grund eingerichtet, sondern dem Ausfluss kommen wichtige Aufgaben zu.

Die Aufgaben des Zervixschleims

Die Aufgabe des Zervixschleims besteht darin

  • zu verhindern, dass Keime durch den Gebärmutterhals in die Gebärmutter eindringen
  • zu helfen, Spermien durch den Gebärmutterhals in die Gebärmutter und zur Eizelle zu transportieren


Fruchtbarer Zervixschleim ist ein Hinweis auf den bevorstehenden Eisprung. Der vaginale Ausfluss ist fruchtbar, wenn er rohem Eiweiß ähnelt. Dies ist im Zyklus der Frau die beste Zeit für Sex, wenn du schwanger werden möchten.

Du kannst deine fruchtbaren Tage vorhersagen, indem du die Veränderungen der Zervixflüssigkeit überprüfst und genau verfolgst. Das bedeutet, dass du dir den Scheidenausfluss genau anschaust und mit den Fingern untersuchst.

Das hört sich im ersten Moment vielleicht komisch an, aber es ist wichtig, deinen Körper genau zu kennen und zu wissen, wie er funktioniert. Du lernst, dadurch, wo du dich in deinem Zyklus befindest und wann du deinen Eisprung hast. Dies ist ein Teil der Natürlichen Familienplanung (NFP), die dazu dienen kann schwanger zu werden oder auch zu verhüten.

Eisprung, fruchtbare Tage und Zervixschleim

Kurz vor dem Eisprung führt das Hormon Östrogen zu vermehrtem Zervixschleim und verwandelt ihn in eine dehnbare, zähflüssige Substanz. Dies hilft Spermien zu überleben und zu schwimmen.

Nach dem Eisprung sorgt das Hormon Progesteron dafür, dass der Zervixschleim klebrig und dick wird. Dadurch wird verhindert, dass Spermien (und andere Fremdkörper) in die Gebärmutter gelangen.

Wenn du bereits deine Basaltemperatur misst, ist es sinnvoll, diese Messung durch die Beobachtung des Schleims zu ergänzen. Deine Basaltemperatur (die Temperatur in völliger Ruhe nach dem Aufwachen) erhöht sich beim Eisprung. Dies wird durch den Anstieg des Hormons Progesteron verursacht.

Anhand der Basaltemperatur kannst du erkennen, ob und wann du einen Eisprung hast. Wenn du schwanger werden möchten, solltest du jedoch kurz dem Eisprung (vor dem Temperaturanstieg) Sex haben. Die Veränderungen des Zervixschleims kannst du vor dem Eisprung beobachten. Dies kann dir helfen schneller schwanger zu werden.

Die Zervixschleim Phasen

1. Zervixschleim nach der Periode (unfruchtbare Phase)

Unmittelbar nach der Periode haben die meisten Frauen nur sehr wenig Zervixschleim. Die Scheide fühlt sich in dieser Zeit sehr trocken an, so dass es in manchen Fällen sogar ein unangenehmes Gefühl sein kann.

·       wenig Schleim
·       trocken

Nach ein paar Tagen bildet sich mehr Zervikalschleim. Er ist in dieser Phase dickflüssig, klumpig und klebrig. Er fühlt sich an wie Klebstoff und ist gelb oder weiß. Dieser joghurtähnliche Zervixschleim verhindert den Weg der Spermien

  • dickflüssig, klumpig und klebrig
  • weiß-gelb

Ungefähr 8 Tage nach der Periode ist der Zervixschleim cremig oder milchig und hat eine perlweiße oder cremegelbe Farbe. Die Menge des Ausflusses nimmt in dieser Phase zu. Die fruchtbare Phase kündigt sich langsam an.

  • cremig oder milchig
  • perlweiß oder cremegelb

2. Zervixschleim vor dem Eisprung (fruchtbare Phase) 

Kurz vor dem Eisprung wird der Ausfluss dünnflüssiger, glasiger und sieht ungefähr so aus wie rohes Eiweiss. Außerdem ist der Zervixschleim in dieser Phase dehnbar. Weil du es in die Länge ziehen kannst, ohne dass es sofort reißt, nennt man es auch „spinnbar“. Also fast wie ein Spinnfaden.

Der Eingang der Scheide fühlt sich nun feucht an und es deutet alles darauf hin, das du nun deine fruchtbaren Tage hast. Diese Konsistenz begünstigt die Chance schwanger zu werden, wenn ihr nun Sex habt. Denn die Spermien werden in dieser Phase durch den Zervixschleim besonders schnell und gut zur Gebärmutter transportiert.

  • dünnflüssig, glasig
  • wie rohes Eiweiss
  • dehnbar und spinnbar
  • feuchtes Gefühl

3. Zervixschleim nach dem Eisprung (unfruchtbare Phase)

Nach dem Eisprung verringert sich die Menge des Zervikalschleims wieder. Entweder ist der Ausfluss gelb oder weiß oder er verschwindet sogar komplett. Bis zur nächsten Monatsblutung verändert sich die Konsistenz nun nicht mehr.

  • gelb oder weiß
  • cremig
  • wenig Schleim

Zervixschleim untersuchen

Um die Zervixflüssigkeit im Verlauf des Zyklus zu beobachten, muss die Konsistenz geprüft werden. Das geht, indem du mit dem Toilettenpapier Zervixschleim von der Scheide aufnimmst und dann das Toilettenpapier zusammenfaltest. So erkennst du, ob er einen „Faden zieht“ und spinnbar ist.

Noch genauer, kannst du den Schleim mit dem Finger untersuchen und auf Konsistenz überprüfen. Auch die Farbe des Ausflusses spielt eine wichtige Rolle. Gehe wie folgt vor:

1. Wasche dir als erstes die Hände und trockne sie ab.

2. Suche dir eine bequeme Position: entweder auf der Toilette sitzen, in die Hocke gehen oder ein Bein auf den Badewannenrand stellen.

3. Greife mit einem Finger in deine Scheide. Der Zeigefinger ist am besten geeignet. Je nachdem, wie viel Zervixschleim du produzierst, musst du nicht so tief gehen, aber eine Zervix-Probe aus der Nähe deines Gebärmutterhalses ist besser geeignet.

4. Nun kannst du die entnommenen Schleim-Probe anschauen und untersuchen, indem du ihn zwischen zwei Daumen und Zeigefinger bewegst. Drücke die beiden Finger mit dem Schleim zusammen und ziehe sie dann langsam auseinander.

5. Nun kannst du deine Beobachtungen überprüfen und Ergebnis aufzeichnen.

Zervixschleim verbessern

Ein fruchtbarer Zervixschleim verbessert die Lebensbedingungen für die Spermien auf ihrem Weg zur Eizelle. Wie lässt sich die Qualität des Zervixschleims verbessern?

  • Trinken ! Stelle sicher, dass du genug Wasser trinkst. Wenn du zu wenig trinkst, sind deine Schleimhäute nicht so feucht.  Flüssigkeit verbessert die Konsistenz des Zervikalschleims und die Spermien schaffen es besser zur Eizelle
  • Eine gesunde und ausgewogene Ernährung hat einen positiven Einfluss auf den Zervixschleim. Wenn du schwanger werden möchtest, solltest du viel Obst und Gemüse essen. Dafür wenig Fleisch, Milchprodukte, Alkohol und Kaffee zu dir nehmen.
  • Einige Medikamente können Ihre Zervixflüssigkeiten beeinträchtigen. Antihistaminika trocknen beispielsweise die Zervixflüssigkeit aus. Ironischerweise kann auch Clomifen den fruchtbaren Zervixschleim verhindern oder vermindern.
  • Verwende kein herkömmliches Gleitgel, sondern Gleitgel für den Kinderwunsch. Die Beschaffenheit von herkömmlichen Gleitmitteln ist nicht an den Schleim der fruchtbaren Tage angepasst und die Spermien werden gebremst oder benötigen mehr Energie für die Fortbewegung.

Tipps zur Kontrolle des Zervixschleims

  • Anfangs ist die Beurteilung des Zervikalschleim nicht ganz einfach und erfordert etwas Übung. Es wird 2-3 Zyklen dauern, bis du deinen Körper kennst und die Veränderung des Zervixschleims sicher deuten kannst. Sei geduldig mit dir selbst.
  • Vor allem am Anfang solltest du den Zervixschleim mehrmals täglich kontrollieren  – am besten immer bevor du auf die Toilette gehst. Beim Wasserlassen kann (auch durch das Abwischen) Schleim verloren gehen.
  • Überprüfe deinen Zervixschleim nicht während oder direkt nach dem Sex und bei sexueller Erregung. Erregungsflüssigkeiten sind nicht dasselbe wie fruchtbarer Zervixschleim, aber es ist schwierig den Unterschied zu erkennen. Eine Kontrolle nach dem Sex ist ebenfalls nicht sinnvoll, da es zu möglich ist, Sperma mit Zervixsekreten zu verwechseln.
  • Wenn Sie du Schwierigkeiten hast, Schleim zu finden, kann es nach dem Stuhlgang einfacher sein. Durch den Stuhlgang wird der Scheidenausfluss näher an den Eingang der Scheide geleitet.
  • Zervikalflüssigkeit ist normal und gesund. Manche Frauen waschen Ovulationssekrete weg, weil sie denken, dass sie unhygienisch oder ungesund sind, aber Spülungen können die Fruchtbarkeit verringern.
  • Wenn du dich unwohl dabei fühlst, deinen Zervixschleim mit den Fingern zu untersuchen, kannst du anstatt dessen darauf achten, wie nass sich deine Scheide im Alltag anfühlt, auf den Ausfluss in deiner Unterwäsche achten oder nach dem Abwischen auf das Toilettenpapier schauen. Das ist nicht optimal, aber kann dir trotzdem helfen, deinen Körper und den Zyklus besser zu verstehen.
  • Einige Frauen, haben während des Zyklus mehrmals fruchtbar aussehenden Zervixschleim. Wenn dies der Fall sein sollte (z.B. bei PCO), funktioniert die Vorhersage des Eisprungs durch die Verfolgung der Zervixflüssigkeit möglicherweise nicht gut.
  • Spreche mit deinem Arzt, wenn du keinen fruchtbaren Zervixschleim bekommst. Ein Mangel an fruchtbarem Schleim kann ein Zeichen für ein hormonelles Ungleichgewicht oder ein Fruchtbarkeitsproblem sein.
  • Manche Frauen bemerken, dass ihr Zervixschleim kurz vor der Menstruation wieder nass oder fast eiweißähnlich wird. Dies ist jedoch kein Zeichen für einen bevorstehenden Eisprung.
  • Es ist sinnvoll neben dem Zervixschleim auf andere Ovulationszeichen zu achten, wie z. B. Veränderungen der Gebärmutterhalsposition. Wenn du auch deine Basaltemperatur aufzeichnest, kannst du deine fruchtbaren Zervixflüssigkeit in Zusammenspiel mit dem Temperaturanstieg (Eisprung) beobachten.
  • Sollte dir dies alles zu aufwendig sein, kann ich dir zur Eisprungkontrolle und Ermittlung der fruchtbaren Tage einen Zykluscomputer empfehlen
Das Beobachten der Veränderungen des Zervixschleim-Phasen ist eine kostenlose und einfache Möglichkeit, den Eisprung und die fruchtbaren Tage zu erkennen. Auch wenn es ein paar Zyklen dauern sollte, bis du die Veränderungen genau deuten kannst, lohnt es sich deinen Körper genau zu beobachten.

Zervixschleim als Schwangerschaftszeichen

Viele Frauen fragen sich, ob eine vermehrter Zervixschleim kurz vor der Periode ein mögliches Schwangerschaftsanzeichen ist. Nach der Einnistung, können hormonelle Veränderungen dazu führen, dass sich der Zervixschleim  verändert.

Aber es ist leider fast unmöglich, den Unterschied zwischen Zervixschleim in der Frühschwangerschaft vom normalem Zervixschleim „kurz vor der Periode“ zu unterscheiden.

Literatur zu Zervixschleim und Familienplanung

Wenn du dich eingehender mit den Beobachtungen deines Körpers beschäftigen möchtest und dich das Thema Natürliche Familienplanung interessiert, kann ich dir diese beiden Bücher empfehlen. Dort wird die Beobachtung des Zervixschleims in Verbindung mit der Temperaturmethode genau erklärt und durch viele Praxisbeispiele veranschaulicht.

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Quellen:

  • Malteser Arbeitsgruppe NFP (Hrsg.): Natürlich und sicher. Das Praxisbuch. 18. Auflage. Stuttgart 2011
  • Gnoth, C. et al.: Kinderwunsch. Natürliche Wege zum Wunschkind. 3. Auflage. München 2009.
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