„Was wir woll­ten“: Ein Film über uner­füll­ten Kin­der­wunsch mit Ely­as M’Barek

Wel­che Schmer­zen und Emo­tio­nen durch­lebt ein Paar mit uner­füll­tem Kin­der­wunsch nach meh­re­ren künst­li­chen Befruch­tun­gen und Fehl­ge­bur­ten. Außen­ste­hen­den lässt sich die­se Gefühls­welt lei­der nur schwer ver­mit­teln. Der Film “Was wir woll­ten” schafft dies auf sehr ein­drück­li­che Art und Wei­se.

“Was wir woll­ten”. Ein Film über Hoff­nung, Trau­er und Sehn­sucht

“Die befruch­te­te Eizel­le hat sich per­fekt ein­ge­nis­tet, aber lei­der gibt es inzwi­schen kei­nen Herz­schlag mehr”, sagt die Kin­der­wunsch-Ärz­tin zu Ali­ce (Lavi­nia Wil­son) und Niklas (Ely­as M’Ba­rek) nach der vier­ten erfolg­lo­sen Behand­lung. “Zur psy­chi­schen Belas­tung kommt ja auch noch die mas­si­ve Belas­tung durch die Hor­mon­be­hand­lung. Spä­tes­tens nach dem vier­ten Ver­such sage ich immer — einen Schritt zurück­tre­ten, die eige­ne Lebens­pla­nung noch­mal über­den­ken.”

Den Rat­schlag der Ärz­tin befolgt das Paar und fährt in den Urlaub nach Sar­di­ni­en, um ihren Kin­der­wunsch hin­ter sich zu las­sen. Aller­dings kommt dort alles hoch, was sie bis­her ver­sucht haben zu ver­drän­gen. Zu allem Über­fluss zieht eine gut gelaun­te Tiro­ler Fami­lie direkt ins Nach­bar­haus und scheint das zu haben, was ihnen fehlt im Leben. „Seid froh, dass ihr kei­ne Kin­der habt“, ist deren Sicht der Din­ge. Ein Satz der lei­der all­zu­oft gedan­ken­los dahin gesagt wird.

Die Sehn­sucht und den Schmerz ihres uner­füll­ten Wun­sches muss das Paar mit sich selbst aus­ma­chen. Nicht nur die Leich­tig­keit frü­he­rer Tage ging dabei ver­lo­ren, son­dern auch die Freu­de an der Lust.

Regis­seu­rin mit Kin­der­wunsch-Erfah­rung und viel Fein­ge­fühl

Es sind die lei­sen Töne, die die Emo­tio­nen, Ängs­te und Sehn­süch­te des Paa­res in “Was wir woll­ten” greif­bar machen. Zu ver­dan­ken ist dies der Regis­seu­rin Ulri­ke Kof­ler. Sie hat die Kin­der­wunsch-The­ma­tik nicht nur in ihrem Freun­des­kreis in ver­schie­dens­ten Facet­ten und Pha­sen mit­er­lebt, son­dern auch per­sön­li­che Erfah­run­gen damit.

“Als sich mein Wunsch auf ein zwei­tes leib­li­ches Kind nicht mehr erfüll­te, hat mich das in eine Lebens­kri­se gewor­fen, die mein Sein und vor allem den Blick auf das Sein ver­än­dert hat. Wenn ich an die­se Zeit zurück­den­ke, sehe ich mich selbst erschre­ckend ent­rückt, ohne Bezug zu Raum und Zeit.

Mei­ne minu­ziö­sen Vor­stel­lun­gen vom Leben über Bord zu wer­fen, die Kon­trol­le dar­über, was in mei­nem Leben pas­siert ein Stück weit los­zu­las­sen, das ist mir nicht leicht­ge­fal­len. Ali­ce und Niklas sind nicht irgend­wel­che Figu­ren für mich. Sie sind Gestal­ten der Gegen­wart, ihre Wün­sche, ihre Sehn­süch­te, ihre Ängs­te und Zwän­ge sind qua­si Pro­to­ge­füh­le der heu­ti­gen Zeit.

„Was wir woll­ten“ ist bereits mein zwei­ter Film, der sei­nen Ursprung in einer Kurz­ge­schich­te von Peter Stamm gefun­den hat („Der Lauf der Din­ge“). Was mich an den Figu­ren sei­ner Geschich­ten immer wie­der so berührt: dass sie alle­samt Suchen­de sind. Sie suchen nach ihrer Bio­gra­phie, der Erfül­lung ihrer Sehn­süch­te oder nach dem Schmerz, den sie nicht grei­fen kön­nen.”

Tabu­the­ma uner­füll­ter Kin­der­wunsch — als Film auf Net­flix

Wegen der aktu­el­len Coro­na-Situa­ti­on kommt der Film “Was wir woll­ten” lei­der nicht ins Kino, son­dern ist seit 11.11.2020 auf Net­flix zu sehen. Es ist zu wün­schen, dass dies mög­lichst vie­le Leu­te tun. Denn der Film leis­tet einen sehr gro­ßen Bei­trag, um das The­ma der “unge­woll­ten Kin­der­lo­sig­keit” in sei­nen gan­zen Facet­ten in die Öffent­lich­keit zu brin­gen und erleb­bar zu machen. Die Chan­cen ste­hen gut, denn Öster­reich reicht den Film für den Aus­lands-Oscar ein. Die Dau­men sind gedrückt!!

Wie hat Dir der Film gefal­len? Ich freue mich über dei­ne Mei­nung im Kom­men­tar.

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