Auf Instagram schreiben viele Frauen anonym über ihre Kinderwunschreise. So auch  “blauewunschpunkte”. Nach 7 ICIS und 6 Kryos beschließt sie mit 41 einen neuen Weg einzuschlagen. Sie macht sich mit ihrem Mann gemeinsam auf den Weg nach Tschechien zur Eizellenspende und beschreibt hier wie sie dies erlebt.

 

Beschluss zur Eizellspende

Angefangen hat alles vor einem Jahr. Der Entschluss zur Eizellspende stand fest. Nach unserem letzten negativ im Dezember 2017 und dem abschließenden Gespräch mit dem behandelnden Arzt in Deutschland war klar, dass wir entweder aufhören oder einen neuen Weg einschlagen müssen. Ein richtiger Grund warum es mit meinen eigenen Eiern nicht klappen will ist nicht gefunden worden, aber mittlerweile war ich 41 und habe mich auch schlicht weg nicht mehr getraut mit meinen eigenen Eiern sinnlos Geld zu verpulvern.

 

 

 

Schnell stand der Entschluss fest in Tschechien unser Glück zu versuchen. A) Es ist von uns in ca 5 Stunden mit dem Auto zu erreichen, B) Die Kosten sind doch gravierend geringer als in anderen Ländern, C) Die Klinik und der leitende Arzt war uns von einer Bekannten empfohlen worden. Auch wenn die Spende hier nur anonym erfolgen darf.

Es dauerte noch ein bisschen bis wir uns dann wirklich zum ersten Kontakt aufraffen konnten. Alles braucht eben seine Zeit. Ich musste auch meinen Frieden mit diesem Weg schließen.

Die erste Kontaktaufnahme mit der Klinik fand im August 2018 über das Onlinekontaktformular statt. Direkt am nächsten Tag hatten wir eine Antwort mit allen erforderlichen Unterlagen bekommen. Ausserdem schlug man uns direkt einen Termin für das Erstgespräch Anfang September vor. Das ging jetzt ziemlich schnell. Der Termin war für uns allerdings zu knapp, daher entschieden wir uns für einen Termin im Oktober.

Zum Termin sollten wir einen ausführlichen Anamnesebogen ausfüllen mit allen bisherigen Versuchen, Diagnosen und Befunden. So machten wir uns im Oktober 2018 zu unserem Roadtrip-Abenteuer in den wilden Osten auf.

 

Erster Termin in Tschechien

Die Klinik in Karlsbad ist zentral gelegen. Als erstes musste mein Mann zur Samenabgabe für das Spermiogram. Die Ärztin hatte wohl einen schlechten Tag, und war zwar freundlich aber relativ reserviert. Wir waren völlig kaputt von der Fahrt und ließen im Schnelldurchlauf alle Infos über uns ergehen. Viele Informationen waren uns schon bekannt. Wichtig waren uns die Fragen nach der Spenderin und wie die Spende abläuft.

Da das Spermiogram wie erwartet sehr schlecht ausfiel, eigneten sich die Spermien nicht dazu kryokonserviert werden. Zur Punktion der Spenderin muss mein Mann daher nach Karlsbad kommen.

Wir konnten auch gleich den Fragebogen zur Spenderin ausfüllen, z.B. Augenfarbe, Haarfarbe, Blutgruppe ect. und auch welche Bildung und Interessen. Wir haben uns da ungefähr an meinem Erscheinungsbild langehangelt.

Ausserdem haben wir uns für einen Kryo-Transfer entschieden. Das erschien uns sinniger bezüglich der Planung und Organisation. Uns wurde versichert, dass ein Kryo-Transfer keine Nachteile gegenüber einem Frisch-Transfer hat. Mir erschien der Kryo-Transer als kleiner Kontrollfreak risikoärmer hinsichtlich irgendwelcher unvorhergesehener Ereignisse. Was wenn einer der Beteiligten krank wird, oder nicht wie gewünscht auf die Medikamente reagiert und und und.
Außerdem hatte ich ja schon in Deutschland zahlreiche Kryo-Transfer sowohl im künstlichen als auch im natürlichen Zyklus hinter mir. Ich wählte die Medikamente die ich aus Deutschland schon kannte. So sollte der Kryo-Transfer mit Estrahexal, Clexane und Prolutex begleitet werden. Den künstlichen Eisprung sollte ich mit Ovitrelle auslösen.

Uns wurde gesagt, dass die Suche nach einer geeigneten Spenderin ca 1 1/2 Monate dauert, aber wegen Weihnachten es wahrscheinlich bis Januar dauern kann. Im Anschluss an das Gespräch fand eine gynäkalogische Untersuchung bei mir statt.

Mit reichlich Informationen im Gepäck fuhren wir direkt nach dem Gespräch wieder nach Hause.

 

Start der Eizellenspende – Punktion und Befruchtung

Ende Januar als ich schon ziemlich auf heißen Kohlen saß kam endlich die erlösende Mail, dass eine Spenderin in der engeren Wahl ist. Der Kontakt mit der Klinik fand meistens über eine Koordinatorin statt. Aber die Klinik ist jederzeit auch telefonisch zu erreichen. Die Schwestern mit denen man hauptsächlich kommuniziert sprechen sehr gut deutsch und sind sehr professionell und hilfsbereit.

Im Februar bekamen wir die Info, dass die Spenderin mit der Stimulation beginnt und dass die Punktion voraussichtlich Anfang März stattfinden wird. An einem wunderschönen Tag im März machten wir uns erneut auf den Weg nach Tschechien. Die Punktion sollte am nächsten Tag stattfinden, am 38. Geburtstag meines Mannes.

Wir hatten ein kleines Apartment in der Innenstadt gebucht was fußläufig zur Klinik lag. Da wir auch noch den Hund mitnehmen mussten (wir waren ja incognito unterwegs und bis heute weiß niemand aus unserem Umfeld Bescheid über unser Abenteuer), war uns ein Apartment wichtig wo wir den Hund lassen konnten. Diesmal hatten wir auch endlich Zeit diese wunderschöne Stadt zu besichtigen.

Am nächsten Tag sollten wir um 9 Uhr in der Klinik sein. Die Spende erfolgt anonym und es findet zu keiner Zeit ein Kontakt mit der Spenderin statt. Trotzdem ein komisches Gefühl zu wissen, dass sie heute auch hier ist.

Nach dem mein Mann bei der Samenabgabe war gab es ein kurzes Gespräch mit der Ärztin. Diesmal war sie sehr nett und wir fühlten uns sehr gut aufgehoben. Sie erläuterte uns die weitere Vorgehensweise. Wir hatten uns entschieden schon im nächsten Zyklus den Transfer zu wagen. Ich bekam alle Rezepte für die benötigten Medikamente und den vorläufigen Behandlungsplan. Die Medikamente haben wir gleich in einer Apotheke in Karlsbad gekauft. Im Schnitt kosten die Medikamente hier nur die Hälfte.
Mit einem guten Gefühl und natürlich einem weiteren Souvenir, diesmal eine kitschige Tasse aus der Stadt mit den Heilquellen, die sich durch die ganze Stadt ziehen, fuhren wir nach Hause. Wir machten Witze, dass wir das keinem erzählen können weil es uns eh niemand glaubt.

Am nächsten Tag erhielten wir den Anruf, dass die Spenderin 12 Eizellen gespendet hatte und alle 12 trotz miserablen Spermiogram befruchtet werden konnten! Die Embryonen wurden nun alle im Vorkernstadium kryokonserviert. Jeweils in 4er Sets. Zum ersten TF wird ein Set aufgetaut und in die Blastokultur geschickt werden.

Wir waren überwältigt von der guten Ausgangsposition und freuten uns über das Backup. Trotzdem blieb bei mir ein kleiner Wermutstropfen da ich dieses Szenario mit meinen eigenen Embryonen schon kannte. Wir hatten oft eine sehr gute Ausgangslage mit genügend Embryonen auf Eis und doch hat es nie geklappt. Aber diesmal waren es ja junge und knackige Eizellen im Gegensatz zu meinen verschrumpelten alten Eiern.

 

Eizellenspende – Vorbereitung auf den Transfer

Ich sollte nun ca 3-5 Tage vor dem erwartenden Zyklusbeginn in Deutschland einen Ultraschall machen lassen um Zysten und Polypen auszuschließen. Meine nächste Periode sollte in ca. 10 Tagen beginnen. Ich vereinbarte einen Termin in der Kiwuklinik in Deutschland. Mein behandelnder Arzt hatte angeboten die Untersuchungen in Deutschland zu begleiten. Der Ultraschall sah gut aus und Tschechien gab das GO.

Als die Periode ein paar Tage später eintrudelte begann ich mit den Pflastern Estrahexal. An Tag 10 erfolgte ein weiterer Ultraschall zur Schleimhautkontrolle. Die Ergebnisse gab ich per Telefon an Karlsbad weiter. Die Schleimhaut war gut aufgebaut. Ich war erleichtert, hatte ich vorher immer ein wenig Bedenken weil meine Schleimhaut nicht immer optimal war und manchmal etwas langsam sich aufbaute. Die Klinik legte den Embryo-Transfer auf Anfang April.

Ich sollte an Tag X den Eisprung mit Ovitrelle auslösen und am nächsten Tag mit Prolutex beginnen. Am Tag vor dem Transfer kam noch das Clexane dazu. Am Tag danach sollte ich einmalig Dipherline spritzen. Wir machten uns also wieder auf den Weg nach Karlsbad. Diesmal kam uns schon alles seltsam vertraut vor. Wieder dasselbe Apartment. Der Vermieter begrüßte uns schon freundschaftlich.

 

 

Eizellenspende – der Transfer

Am nächsten Tag fand dann endlich der sehnsüchtig erwartete Transfer statt. 20 min vor dem Transfer hatte ich Akupunktur gebucht die mich auf den Transfer vorbereiten sollte, hauptsächlich zur Beruhigung. Meine Gedanken kreisten. Noch wusste ich nicht wieviele Embryonen es zur Blasto geschafft hatten. Zum Transfer durfte mein Mann dabei sein. Er war in der Zwischenzeit schon informiert worden, dass es 2 Blastos gab eine gute und eine eher mittelmäßige. Wir entschieden uns beide zu transferieren.

Der Transfer war komplikationslos und danach gab es noch mal eine Ladung Akupunkturnadeln, diesmal zur Einnistung.
Weil man in dieser Klinik vorher dem Labor Bescheid geben muss wenn man ein Foto der Embryonen möchte und wir das nicht wussten gab es leider kein Foto.
Beseelt fuhren wir nach Hause mit der kostbaren Fracht.

 

Die Wartezeit bis zum Schwangerschaftstest

Die Warteschleife war diesmal zäh und sehr lang. Erst an Transfer +14 sollte ich einen Schwangerschaftsbluttest machen. Ich hatte allerlei Anzeichen die ich nicht deuten konnte, von stechendem Schmerz, über schwitzen, ziehen, und auch sonstige PMS Symptome aus denen ich mir keinen Reim machen konnte. Selber testen kam für mich nicht in Frage, ich war viel zu sehr in Sorge und habe mich nicht getraut einen Pipitest zu machen. Ich wollte das Ergebnis gar nicht wissen.

 

14 Tage später war es endlich so weit. Mit ambivalenten Gedanken machte ich mich auf den Weg zum Bluttest bei meiner Frauenärztin. Meine Gedanken rasten, nur schwer konnte ich mich zur Ruhe bringen. Als der erlösende Anruf kam brach ich vor lauter Anspannung in Tränen aus. Das Ergebnis war nicht eindeutig. An Transfer+14 lag der HCGwert bei 111. Es hatte geklappt. Allerdings wusste ich sofort, dass dieser Wert sehr sehr niedrig war. Die Klinik in Tschechien war erst mal nicht weiter beunruhigt und beraumte einen weiteren Test in einer Woche an. Ich war genervt. Hing in der Luft. Das ganze machte ich wütend. Kein eindeutiges Ergebnis. Wieder warten. Und gleichzeitig komplette Hoffnungslosigkeit. Nach einer Woche stand das Ergebnis fest, ich war nicht (mehr) schwanger. Die Medikamente konnte ich absetzen und am nächsten Tag setzte sofort die Blutung ein. Aus die Maus.

Trotzdem war da ein kleiner Funke Hoffnung. Es hatte direkt beim 1. TF geklappt. Es gab eine Einnistung. Was vorher in insgesamt 13 Transferen nur 2x geklappt hatte. Ein positiver HCGwert. In Transfer Nr. 3 gab es vor sechs Jahren mal eine biochemische Schwangerschaft mit einem HCGwert von 123 und in Transfer Nr. 11 vor zwei Jahren gab es einen HCGwert von 16.

Wir waren überzeugt mit der Eizellspende nun auf dem richtigen Weg zu sein.

 

Eizellenspende – zweiter Versuch

Die Ärztin in Tschechien sagte wir müssen einen Zyklus Pause machen. Wir planten nun den 2. Transfer in unseren Sommerurlaub zu legen. Statt Strand und französisches Savoir-vivre eben einen Kurztrip nach Tschechien und vielleicht ein paar Tage an der Ostsee. So konnten wir auch besser unser Vorhaben geheim halten. Mitte Juni war es endlich so weit. Nach anfänglicher Aufregung über eine Zyste, die sich aber pünktlich zum Zyklusbeginn verpieselte, konnte wieder das fröhliche Pflasterkleben beginnen. Diesmal ließ ich die Ultraschall bei der Frauenärztin meines Vertrauens machen. Das war einfach logistisch etwas praktischer. Ich hatte sie schon zu Beginn des Jahres in unsere Pläne eingeweiht und sie versprach ihre Unterstützung.

Eine junge Kollegin die gerade in der Praxis ihren Facharzt macht machte den US und ich habe selten so viel Empathie erlebt. Ganz selbstverständlich durfte ich sogar außerplanmäßig erscheinen und bekam sogar ihre private Telefonnummer. Die Schleimhaut machte auch diesmal einen guten Job und so wurde der Transfer auf Anfang Juli geplant, mitten in unseren Urlaub.

Ein bisschen Aufregung gab es als ich voll profimäßig mir die Ovitrelle spritzen sollte. Das war ja nun meine einfachste Übung nach all den Jahren an der Fixerfront. Also easypeasy ist ja ein Fertigpen, idiotensicher. Das Ende vom Lied war, dass ich völlig verzweifelt an diesem Pen rumdrehte, wer braucht schon Gebrauchsanweisungen? Und dabei schon beinah die Hälfte im Bad verspritzte. Mein Mann hat sich dann der Sache angenommen und im Nachhinein weiß ich auch nicht mehr wie, aber die Dosis ist irgendwie in meinem Bauch gelandet. Auf diesen Thrill hätte aber meinetwegen gerne verzichtet werden können.

Voller Vorfreude machten wir uns auf unseren sommerlichen Roadtrip. Wir waren nun beinahe zu jeder Jahreszeit in Tschechien. Die Fahrt quer durch die Republik machte uns mittlerweile Spaß und natürlich hatten wir wieder dasselbe Apartment bei Miroslav gebucht. Der Hund war auch im Gepäck. Die Familie reist natürlich nur zusammen. Auf der Fahrt haben wir einen Storch gesehen und freuten und über das gute Omen.

 

Storch Kinderwunsch

 

Diesmal sollte alles richtig laufen, wir hatten frühzeitig Bescheid gegeben, dass wir ein Foto fürs Familienalbum brauchen. Und auch wieder die Nadelkur gebucht. Zusätzlich zu den Medikamenten wollte ich diesmal auch ASS100 nehmen. Die Klinik hatte nichts dagegen.

Wir entschieden uns für Single-Transfer, eine Premiere. Ein bisschen auch aus der Not heraus. Es gab diesmal eine sehr gute Blasto und eine sehr schlechte. Die Ärztin stellte uns vor die Wahl. Nachdem ich mich seit längerem auch in die Thematik Single-Transfer vs. Double-Transfer eingelesen hatte, entschieden wir uns, wenn auch schweren Herzens, für die sehr gute Blasto. Ich bin auch mittlerweile davon überzeugt, dass mein Körper einfach überfordert ist mit zwei Embryonen.

Der Transfer klappte wie am Schnürchen und ruckzuck war der kleine Maulwurf an Bord.

Da wir noch ein paar Tage Urlaub hatten verlängerten wir unsren Trip an die Ostsee. Diesmal verlief die Warteschleife etwas anders als sonst. Ich schonte mich wenig. Ließ die Seele baumeln und ging nach dem Urlaub ganz normal wieder arbeiten. Ich arbeite teilweise auch körperlich anstrengend, zwar versuchte ich nicht allzu schwer zu heben, aber meist stand ich den ganzen Tag. Allerdings arbeite ich nur drei Tage die Woche.

Ich hatte diesmal überhaupt keine Symptome. Die Zeit verging durch die Ablenkung wie im Flug. Insgesamt war ich weder sonderlich positiv noch sonderlich negativ eingestellt. Diesmal musste ich am Tag des Bluttests arbeiten. Daher entschieden wir am Tag vorher selbst zu testen. Ich wollte nicht auf der Arbeit mit dem Ergebnis konfrontiert werden. Beim letzten Mal war ich so wahnsinnig aufgeregt, dass ich diesmal einfach den Druck raus nehmen wollte. Außerdem konnte mein Mann so dabei sein. Nachts hatte ich natürlich von einem negativen Schwangerschaftstest geträumt. Nach dem wir beide die Anleitung studiert hatten und uns sicher waren wie dieser digitale Test funktioniert, es war der 2. in unserem Leben, wagte ich mich aufs Klo. Völlig verwundert, dass diese Dinger mittlerweile mit einem Countdown ausgestattet sind, klaubte ich die Verpackung zusammen um sie in den Müll zu schmeißen. Auf dem Rückweg ins Bad kam mir mein Mann mit Tränen entgegen und sagte, er möchte sich mit mir zusammen freuen. Verwirrt über seine Reaktion fragte ich, warum, da hielt er mir den Test mit dem magischen Wort entgegen.

Ungläubig starrte ich auf den Test. Ich verstand nicht, dass da in kleinen digitalen Buchstaben
S-C-H-W-A-N-G-E-R
stand.

 

Einen kurzen Moment stand die Welt still. Sollte es jetzt wirklich geklappt haben? So ganz ohne irgendwelche Symptome?
Der Gang zum Bluttest am nächsten Tag war geprägt von Gedanken wie der HCGwert sein wird. Da ich nur kurz vor der Arbeit zum Blut abnehmen war, vereinbarte ich, dass sie mir entweder das Ergebnis auf die Mailbox sprechen oder ich mich am nächsten Tag melde. Nach der Arbeit war kein Anruf in Abwesenheit auf meinem Telefon. Enttäuscht und hoffnungslos dachte ich das Ergebnis war wahrscheinlich zu schlecht um es mit auf die Mailbox zu sprechen. In Sachen Nervenkitzel empfehle ich jedem Adrenalinjunkie das Warten auf Blutergebnisse. So habe ich erst am nächsten Tag erfahren, dass der HCGwert bei guten 688 liegt. Als kleiner Realist habe ich natürlich gleich die gängigen HCG Tabellen verglichen, ok der Wert war im Rahmen, grade so. Trotzdem für uns ein wichtiger Meilenstein, so weit hatten wir es noch nie in den letzten 7 Jahren geschafft.

Die Klinik in Tschechien war zufrieden mit dem Wert und ich sollte in 2-3 Wochen einen Termin zum US machen. Mir fiel es schwer zu glauben, dass das alles jetzt so läuft. 2 Tage später hatte mich ein panisches Gefühl überrannt. Meine Ärztin in Deutschland hatte angeboten, dass ich jederzeit vorbeikommen könnte. So machte ich mich auf den Weg um noch mal Blut abnehmen zu lassen. Das Warten auf das Ergebnis war unerträglich. Insgeheim ärgerte ich mich, dass ich nun scheinbar doch in die HCG Maschinerie reingeraten war. Aber keinerlei Symptome machten mich total verrückt.

Der HCGwert war gestiegen, hatte sich allerdings nicht regelkonform verdoppelt. Lag nun bei 934. Von Montag auf Donnerstag. Ich war überzeugt, dass das nicht gut gehen kann. Trotzdem stellte sich nach einer anfänglichen Verzweiflung doch wieder ein leises Gefühl der guten Hoffnung ein. Die Ärztin hatte vorgeschlagen am Montag erneut einen BT zu machen. Ich brauchte die Bestätigung und wollte endlich Klarheit. Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende. Außerdem schlug sie vor einen ersten US zu machen. Aber das lehnte ich ab. Ich hatte Angst, dass mich das nur noch verrückter macht. Außerdem sollen diese frühen US nicht besonders gut für diese zarten Wesen sein.

Das nächste Ergebnis machte aber alles nicht besser. Der HCGwert war wieder gestiegen aber nur auf 1555. In meinem Kopf machte das alles keinen Sinn. Natürlich googelte ich nach vergleichbaren Geschichten. Aber ich habe nur gelernt, dass man hier nichts vergleichen kann. Es gibt alles und nichts.
Die Ärztin sagte nun, dass wir in der Woche drauf einen Termin für einen US machen. So langsam sollte da was zu sehen sein.
Letzte Woche Dienstag war es nun so weit. Mit meinem Mann saß ich im Wartezimmer.

Gefühlt war die ganze Praxis neugierig und aufgeregt. Die Ärztin begrüßte uns mit den Worten, jetzt bin ich aber wirklich sehr gespannt. Wir auch! Ohne große Worte durfte ich gleich auf den Stuhl. Mein geschultes Auge erblickte sofort den dunklen Fleck auf den Monitor. Ich war erstaunt. Eigentlich hatte ich damit gerechnet nichts zu sehen. Da ich mich absolut unschwanger fühlte. So war dieser magische Moment eigentlich überhaupt nicht so magisch. Ungläubig, dass da wirklich eine Fruchthöhle mit Dottersack zu sehen war und das auch noch ein Bild aus meinem Bauch war, hatte ich gar keine Zeit alles richtig mitzuschneiden.

Die Ärztin war zufrieden, sagte es sei alles zeitgerecht. Allerdings verstand ich ihre Berechnung nicht. Laut meiner (Laien-) Berechnung müßte ich 6+5 sein. Laut der Ärztin war ich 6+1 und das Bild vom US entspräche 6+0. Für sie also völlig im Rahmen. Diese Woche soll ich zum 2. US kommen, da müsste man das Herz schlagen sehen.

 

2. Eizellenspende – Missed abortion

Mein Körper hat gestern mit dem Ende begonnen. Ich bin froh, dass es von selbst losgeht. Gestern Abend ging es mit krassen Krämpfen und einer mittelstarken Blutung los. Insgesamt dauerte es etwa eine Stunde. Ich bin etwas verwundert ob es das nun schon war. Heute blutet es noch leicht. Warten wir ab was noch passiert.

Gestern war es soweit. Direkt nach dem Aufstehen habe ich beim Abwischen auf dem Klo eine kleine Fruchthöhle auf dem Klopapier gehabt. Einfach so. Ohne Schmerzen. Sie lag da einfach, wunderschön. Eine kleine Kugel. Circa 2 cm groß. Ich war erstaunt. Hatte nicht damit gerechnet. Seit Montag hatte ich nur noch Schmierblutungen. Daher dachte ich eigentlich da kommt jetzt nix mehr.

Mit dem kostbaren Fund schlich ich leise wieder ins Schlafzimmer zurück. Mein Mann war schon wach. Ich bat ihn nicht zu erschrecken und erzählte ihm was passiert war. Ich fragte ihn ob er sie sehen will. Das wollte er. Ehrfürchtig schauten wir auf das Klopapier und diese kleine Gewebekugel. Da war nichts schlimmes zu entdecken. Wir bestaunten was da vor uns lag. Mein Mann weinte leise. Ich freute mich irgendwie, dass mein Körper es geschafft hatte. Und dass es doch nicht wie vermutet ins Klo geplumpst war. Die ganze Zeit hatte ich ein bisschen Angst davor was passiert wenn ich die Fruchthöhle vorfinde. Und ich muss sagen es war überhaupt nicht schlimm.

Angefangen hatte die kleine Geburt vor einer Woche, zwei Tage nach der Diagnose “missed abortion”. Am Donnerstag vor einer Woche hatte ich starke Krämpfe und Blutungen. Ich wusste nicht was auf mich zu kommt. Die Krämpfe hörten nach einer Stunde auf und auch die Blutungen wurden schlagartig weniger. Die Tage danach hatte ich nur noch leichte Blutungen.

Ich habe den Abgang ganz gut verkraftet. Vieles erscheint mir unwirklich. Ich weiß auch nicht warum ich so abgebrüht bin. Vielleicht habe ich genug negative ICSIs in den letzten Jahren kassiert. Trotzdem bin ich dankbar für diesen Teilerfolg. Habe ich doch all die Jahre gezweifelt, dass ich überhaupt schwanger werden kann. Die Missed abortion war jetzt einfach Pech. Auch wenn es gemein ist nach dem langen steinigen Weg.

 

Trotzdem kommen auch immer mal wieder negative Gefühle in Bezug auf den Kinderwunsch. Vor allem wenn Mütter, Eltern, Kinder ect. in meinem Dunstkreis auftauchen. Da meldet sich gerne die ganze Gefühlspalette wie Wut, Neid und die Traurigkeit. Es fällt mir schwer die Hoffnung zu bewahren, ist es doch oft eine Gratwanderung optimistisch zu bleiben und auf der anderen Seite nicht so fantastisch den Kinderwunsch zu verfolgen.

Edit: ich sehe grade, dass sich ein schöner freudscher Fehler im letzten Satz eingeschlichen hat, statt fantastisch wollte ich fanatisch schreiben 🙈. Aber so passt es irgendwie ja auch 😂.

 

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1 Antwort
  1. Anonymous sagte:

    Danke für diesen Bericht. Ich bin sehr gerührt. Kinderwunsch ist eine lange Prozedur mit Höhen und Tiefen und erfordert sehr viel Kraft.

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