Assis­ted Hat­ching: Schlüpf­hil­fe für Embryo­nen bei IVF und ICSI

Assisted Hatching: Schlüpfhilfe für Embryonen bei IVF & ICSI

Du stehst vor dei­ner IVF- oder ICSI-Behand­lung oder hast bereits meh­re­re Ver­su­che hin­ter dir – und fragst dich, ob Assis­ted Hat­ching dei­ne Chan­cen auf eine Schwan­ger­schaft erhö­hen kann? Die­se Schlüpf­hil­fe für Embryo­nen wird oft als zusätz­li­che Labor­maß­nah­me ange­bo­ten. Hier erfährst du, was sich hin­ter dem Ver­fah­ren ver­birgt, für wen es sinn­voll sein kann und was die aktu­el­le Stu­di­en­la­ge sagt.

Was ist Assis­ted Hat­ching?

Assis­ted Hat­ching – auf Deutsch „unter­stütz­tes Schlüp­fen” oder „Schlüpf­hil­fe” – ist ein Ver­fah­ren, das im Rah­men einer künst­li­chen Befruch­tung ange­wen­det wird. Dabei wird die äuße­re Hül­le des Embry­os, die soge­nann­te Zona pel­lu­ci­da, künst­lich ver­dünnt oder geöff­net. Das Ziel: Dem Embryo soll es leich­ter fal­len, aus sei­ner Schutz­hül­le zu „schlüp­fen” und sich anschlie­ßend in der Gebär­mut­ter­schleim­haut ein­zu­nis­ten.

Das Ver­fah­ren wird aus­schließ­lich im Labor durch­ge­führt und kommt sowohl bei der IVF (In-vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on) als auch bei der ICSI (Intra­zy­to­plas­ma­ti­sche Sper­mi­en­in­jek­ti­on) zum Ein­satz.

War­um ist das Schlüp­fen des Embry­os so wich­tig?

Die Zona pel­lu­ci­da ist die äuße­re Schutz­hül­le, die jede Eizel­le umgibt. Sie hat meh­re­re wich­ti­ge Funk­tio­nen: Sie ver­hin­dert, dass meh­re­re Sper­mi­en gleich­zei­tig in die Eizel­le ein­drin­gen, und sie schützt den frü­hen Embryo wäh­rend sei­ner Ent­wick­lung.

Etwa am fünf­ten bis sechs­ten Tag nach der Befruch­tung – wenn der Embryo das Blas­to­zys­ten­sta­di­um erreicht hat – muss er die­se Hül­le ver­las­sen. Die­sen natür­li­chen Vor­gang nennt man „Hat­ching” (eng­lisch für „Schlüp­fen”). Erst wenn der Embryo sei­ne Hül­le durch­bro­chen hat, kann er direk­ten Kon­takt zur Gebär­mut­ter­schleim­haut auf­neh­men und sich ein­nis­ten.

Gelingt die­ses Schlüp­fen nicht, kann sich selbst ein opti­mal ent­wi­ckel­ter Embryo nicht ein­nis­ten – und eine Schwan­ger­schaft bleibt aus.

So funk­tio­niert Assis­ted Hat­ching

Beim Assis­ted Hat­ching wird die Zona pel­lu­ci­da kurz vor dem Embryo­trans­fer im Labor behan­delt. Dabei kom­men ver­schie­de­ne Tech­ni­ken zum Ein­satz:

Laser Assis­ted Hat­ching ist heu­te die am häu­figs­ten ver­wen­de­te Metho­de. Mit einem com­pu­ter­ge­steu­er­ten Infra­rot­la­ser wer­den prä­zi­se Mikro­im­pul­se auf die Eihül­le abge­ge­ben, die eine klei­ne Ker­be oder ein Loch erzeu­gen. Die­se Tech­nik gilt als beson­ders sicher und exakt, da der Embryo selbst nicht berührt wird.

Bei der mecha­ni­schen Metho­de ritzt ein Embryo­lo­ge die Hül­le mit einer fei­nen Glas­na­del unter dem Mikro­skop an.

Die che­mi­sche Metho­de arbei­tet mit einer spe­zi­el­len Enzym­lö­sung (Tyro­de-Lösung), die einen klei­nen Bereich der Zona pel­lu­ci­da auf­löst.

In den meis­ten deut­schen Kin­der­wunsch­kli­ni­ken wird heu­te das Laser Assis­ted Hat­ching bevor­zugt, da es die gerings­ten Risi­ken birgt.

Für wen ist Assis­ted Hat­ching geeig­net?

Assis­ted Hat­ching ist kei­ne Stan­dard­maß­nah­me bei jeder IVF- oder ICSI-Behand­lung. Es wird gezielt bei bestimm­ten Pati­en­ten­grup­pen ein­ge­setzt:

Frau­en ab etwa 37 Jah­ren: Mit zuneh­men­dem Alter kann die Zona pel­lu­ci­da dicker oder fes­ter wer­den, was das natür­li­che Schlüp­fen erschwe­ren kann.

Nach meh­re­ren erfolg­lo­sen IVF- oder ICSI-Ver­su­chen: Wenn trotz guter Embryo­qua­li­tät wie­der­holt kei­ne Ein­nis­tung statt­fin­det, kann ein soge­nann­tes Implan­ta­ti­ons­ver­sa­gen vor­lie­gen. Hier kann Assis­ted Hat­ching erwo­gen wer­den.

Bei Kryo­zy­klen mit auf­ge­tau­ten Embryo­nen: Das Ein­frie­ren und Auf­tau­en kann die Zona pel­lu­ci­da ver­här­ten. Vie­le Kli­ni­ken emp­feh­len daher Assis­ted Hat­ching beim Kryo­trans­fer.

Bei sicht­bar ver­dick­ter oder auf­fäl­li­ger Eihül­le: Wenn der Embryo­lo­ge unter dem Mikro­skop eine unge­wöhn­lich dicke oder ver­färb­te Zona pel­lu­ci­da fest­stellt.

Assis­ted Hat­ching: Erfolgs­chan­cen und Stu­di­en­la­ge

Die wis­sen­schaft­li­che Bewer­tung von Assis­ted Hat­ching ist nicht ein­deu­tig – und das soll­test du wis­sen, bevor du dich für oder gegen das Ver­fah­ren ent­schei­dest.

Die umfas­sends­te Ana­ly­se stammt aus der Coch­ra­ne Data­ba­se (2021), die meh­re­re Stu­di­en zusam­men­fass­te. Das Ergeb­nis: Die Schwan­ger­schafts­ra­ten schei­nen nach Assis­ted Hat­ching leicht erhöht zu sein. Aller­dings konn­te nicht nach­ge­wie­sen wer­den, dass auch die Anzahl der Lebend­ge­bur­ten – also tat­säch­lich gebo­re­ner Babys – signi­fi­kant höher ist.

Eini­ge Stu­di­en zei­gen posi­ti­ve Effek­te bei bestimm­ten Grup­pen, etwa bei Frau­en mit wie­der­hol­ten erfolg­lo­sen Ver­su­chen oder bei der Ver­wen­dung von kryo­kon­ser­vier­ten Embryo­nen. Eine Stu­die berich­te­te von Schwan­ger­schafts­ra­ten zwi­schen 48 und 60 Pro­zent bei Embryo­nen, die wäh­rend ihrer Ent­wick­lung kol­la­biert waren und dann mit Assis­ted Hat­ching behan­delt wur­den.

Ande­re Unter­su­chun­gen – etwa aus Frank­reich – konn­ten bei Frau­en über 37 Jah­ren kei­nen Vor­teil nach­wei­sen. Auch der Pra­xis­aus­schuss der Ame­ri­ka­ni­schen Gesell­schaft für Repro­duk­ti­ons­me­di­zin gibt kei­ne pau­scha­le Emp­feh­lung ab und rät davon ab, Assis­ted Hat­ching stan­dard­mä­ßig bei allen Pati­en­tin­nen ein­zu­set­zen.

Fazit zur Stu­di­en­la­ge: Die Ein­nis­tungs­ra­ten kön­nen durch Assis­ted Hat­ching mög­li­cher­wei­se erhöht wer­den. Ob dies auch zu mehr Babys führt, ist wis­sen­schaft­lich nicht ein­deu­tig belegt.

Risi­ken und Nach­tei­le

Assis­ted Hat­ching gilt grund­sätz­lich als siche­res Ver­fah­ren, birgt aber – wie jede medi­zi­ni­sche Maß­nah­me – gewis­se Risi­ken:

Erhöh­tes Mehr­lings­ri­si­ko: Meh­re­re Stu­di­en zei­gen, dass nach Assis­ted Hat­ching häu­fi­ger Mehr­lings­schwan­ger­schaf­ten auf­tre­ten. Das liegt ver­mut­lich dar­an, dass mehr Embryo­nen erfolg­reich ein­nis­ten.

Mög­li­che Schä­di­gung des Embry­os: Obwohl sehr sel­ten, besteht ein mini­ma­les Risi­ko, dass der Embryo wäh­rend des Ein­griffs beschä­digt wird.

Unge­klär­te Lang­zeit­fol­gen: Nach der­zei­ti­gem Wis­sen beein­träch­tigt Assis­ted Hat­ching weder die Erb­sub­stanz noch die Gesund­heit des Kin­des. Aller­dings feh­len noch aus­sa­ge­kräf­ti­ge Lang­zeit­stu­di­en.

Was kos­tet Assis­ted Hat­ching?

Die Kos­ten für Assis­ted Hat­ching lie­gen in Deutsch­land bei etwa 150 bis 200 Euro pro Embryo. Da der Nut­zen wis­sen­schaft­lich nicht ein­deu­tig belegt ist, über­neh­men weder gesetz­li­che noch pri­va­te Kran­ken­kas­sen die­se Kos­ten. Du musst die Behand­lung also selbst bezah­len.

Ver­gli­chen mit den Gesamt­kos­ten einer IVF- oder ICSI-Behand­lung ist das ein über­schau­ba­rer Betrag – was vie­le Paa­re dazu bewegt, die Metho­de trotz­dem aus­zu­pro­bie­ren.

Mei­ne Mei­nung: Lohnt sich Assis­ted Hat­ching?

Wenn du bereits meh­re­re erfolg­lo­se Kin­der­wunsch­be­hand­lun­gen hin­ter dir hast und kei­ne ande­ren Ursa­chen für das Aus­blei­ben einer Schwan­ger­schaft gefun­den wur­den, kann Assis­ted Hat­ching eine Opti­on sein. Das gilt beson­ders dann, wenn du:

  • über 37 Jah­re alt bist
  • einen Kryo­trans­fer planst
  • oder bei dir eine auf­fäl­li­ge Zona pel­lu­ci­da fest­ge­stellt wur­de

Die Ent­schei­dung soll­test du gemein­sam mit dei­nem Repro­duk­ti­ons­me­di­zi­ner tref­fen. Er oder sie kann ein­schät­zen, ob in dei­nem indi­vi­du­el­len Fall ein Nut­zen zu erwar­ten ist.

Wich­tig ist, rea­lis­ti­sche Erwar­tun­gen zu haben: Assis­ted Hat­ching ist kei­ne Wun­der­waf­fe, die bei jeder Frau die Erfolgs­chan­cen ver­bes­sert. Die Stu­di­en­la­ge ist gemischt, und für man­che Pati­en­ten­grup­pen konn­te kein Vor­teil nach­ge­wie­sen wer­den.

Gleich­zei­tig ist das Ver­fah­ren sicher, rela­tiv güns­tig und belas­tet dich nicht zusätz­lich. Vie­le Frau­en sehen es so: Wenn man schon den Auf­wand einer IVF oder ICSI auf sich nimmt, möch­te man alle ver­füg­ba­ren Optio­nen aus­schöp­fen.

Mein Lese­tipp: Pimp my Eggs – Geheim­re­zept für bes­se­re Eizel­len

Häu­fi­ge Fra­gen und Ant­wor­ten zu Assis­ted Hat­ching

Ist Assis­ted Hat­ching schmerz­haft? 

Nein. Das Ver­fah­ren fin­det aus­schließ­lich im Labor statt, du spürst davon nichts. Es wird am Embryo durch­ge­führt, bevor er dir ein­ge­setzt wird.

Wann wird Assis­ted Hat­ching durch­ge­führt? 

In der Regel wird Assis­ted Hat­ching am Tag des Embryo­trans­fers, also kurz bevor der Embryo in dei­ne Gebär­mut­ter über­tra­gen wird.

Kann Assis­ted Hat­ching dem Embryo scha­den? 

Bei der heu­te übli­chen Laser­tech­nik ist das Risi­ko einer Schä­di­gung mini­mal. Der Laser wird nur auf die Eihül­le gerich­tet, nicht auf den Embryo selbst.

Wird Assis­ted Hat­ching bei Blas­to­zys­ten durch­ge­führt? 

Wenn sich der Embryo bereits zur Blas­to­zys­te ent­wi­ckelt hat, ist sei­ne Hül­le oft schon stark aus­ge­dünnt. In die­sem Fall ist Assis­ted Hat­ching meist nicht mehr not­wen­dig.

Zahlt die Kran­ken­kas­se Assis­ted Hat­ching? 

Nein. Da der Nut­zen wis­sen­schaft­lich nicht ein­deu­tig nach­ge­wie­sen ist, wird das Ver­fah­ren weder von gesetz­li­chen noch von pri­va­ten Kran­ken­kas­sen über­nom­men.

Macht Assis­ted Hat­ching bei jeder Frau Sinn? 

Nein. Die Metho­de soll­te gezielt bei bestimm­ten Indi­ka­tio­nen ein­ge­setzt wer­den, nicht rou­ti­ne­mä­ßig. Sprich mit dei­nem Arzt, ob es in dei­nem Fall sinn­voll ist.

Hast du bereits Erfah­run­gen mit Assis­ted Hat­ching gemacht? Ich freue mich über dei­nen Kom­men­tar!

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