“Ein Pro­lak­ti­nom ver­hin­der­te bis­lang, unse­ren Kin­der­wunsch”

Ein Pro­lak­ti­nom ver­hin­dert seit fast zwei Jah­ren die Schwan­ger­schaft von Lisa. Bis­lang hat sie kei­ne ande­ren Frau­en gefun­den, die von die­ser Krank­heit betrof­fen sind. Des­halb spricht sie hier offen dar­über. 

Zunächst habe ich die Pil­le abge­setzt und gewar­tet.

Ich bin Lisa, 25 Jah­re alt und lebe in einer fes­ten Part­ner­schaft. Wir wün­schen uns seit ca. 3 Jah­ren Kin­der, haben aber der Ver­nunft hal­ber erst vor etwas mehr als ein­ein­halb Jah­ren mit der Ver­hü­tung (Pil­le) auf­ge­hört. Die Ver­nunft hieß damals, auf die gemein­sa­me grö­ße­re Woh­nung war­ten und wir woll­ten uns bei­de ganz sicher sein, dass wir die nächs­ten Jah­re gut mit unse­ren Jobs zurecht kom­men. Das lan­ge War­ten war im Nach­hin­ein ein gro­ßer Feh­ler…

Zunächst habe ich die Pil­le abge­setzt und gewar­tet. Natür­lich haben wir die übli­chen Din­ge ver­sucht: Ovu­la­ti­ons­tests, Kin­der­wunsch­tees usw. Jedoch hat­te ich lei­der nach dem Abset­zen der Pil­le sehr lan­ge Zyklen.

Mei­ne frü­he­re Frau­en­ärz­tin nahm das Pro­blem nicht ernst. Sie mein­te, es müs­se sich allein ein­pen­deln nach der Pil­le. Das kön­ne dau­ern. Sie hat daher fast ein Jahr lang kei­ne Dia­gnos­tik durch­ge­führt.

Warten auf Schwangerschaft

Der Pro­lak­tin­spie­gel war erhöht und ein Pro­lak­ti­nom wur­de fest­ge­stellt

Dann habe ich auf Anra­ten einer guten Freun­din den Frau­en­arzt gewech­selt. Die neue Frau­en­ärz­tin hat direkt eine Blut­ab­nah­me durch­ge­führt und den erhöh­ten Pro­lak­tin­spie­gel fest­ge­stellt. (Auch mein TSH, also der Schild­drü­sen­wert war zu hoch. Das Pro­blem war schnell im Griff. Dafür gab es zeit­nah ein Medi­ka­ment, wel­ches wirkt und der Wert ist schnell in Ord­nung gewe­sen.)

Die star­ke Erhö­hung des Pro­lak­tin wur­de nach einem Monat erneut fest­ge­stellt, war daher also kei­ne kur­ze Aus­nah­me­si­tua­ti­on und dann bekam ich eine Über­wei­sung zum MRT, um ein Pro­lak­ti­nom aus­zu­schlie­ßen… nun lei­der wur­de die­ses dort nicht aus­ge­schlos­sen, son­dern eben bestä­tigt.

Pro­lak­tin ist das soge­nann­te Still­hor­mon. Die­se wird nor­ma­ler­wei­se vom weib­li­chen Kör­per nur ver­mehrt pro­du­ziert, wenn die Frau schwan­ger ist oder stillt. Das Pro­lak­ti­nom ist ein gut­ar­ti­ger Tomor an der Hypo­phy­se, also der Hirn­an­hangs­drü­se, wel­che maß­geb­lich für die Hor­mon­pro­duk­ti­on ver­ant­wort­lich ist.

Das Pro­lak­ti­nom führt zu einer Über­pro­duk­ti­on des Hor­mons Pro­lak­tin. Mit die­sem erhö­hen Pro­lak­tin­spie­gel im Blut ist es schwie­rig bis unmög­lich schwan­ger zu wer­den, da das Hor­mon den Ein­sprung “unter­drückt”, qua­si wie wenn man schwan­ger ist oder auch stillt. In der Still­zeit kommt es ja auch häu­fig nicht zum Eisprung, wegen die­ses Hor­mons.

Ein häu­fi­ges Sym­ptom ist die Milch­pro­duk­ti­on, ohne dass man schwan­ger ist oder war. Das heißt, das die Brüs­te Milch bzw. milch­ar­ti­ge Sekre­te pro­du­zie­ren. Das hat­te ich nicht. Ich hat­te kei­ne kör­per­li­chen Anzei­chen, außer ein Wachs­tum der Brust nach dem absetz­ten der Pil­le.

Das Pro­lak­tin wird mit Tablet­ten für den Kin­der­wunsch redu­ziert

Mei­ne Frau­en­ärz­tin ver­schrieb mir dar­auf­hin das Medi­ka­ment Caber­go­lin in Form von Tablet­ten, die zwei mal wöchent­li­chen ein­zu­neh­men sind. Das ken­nen sicher eini­ge Frau­en vom Abstil­len. Die­ses Medi­ka­ment neh­me ich nun seit über 4 Mona­ten. Mei­ne Zyklen wer­den nun kür­zer. Statt zuvor bei teils über 70 Tage befin­de ich mich jetzt bei ca. 35 bis 40 Tagen. Ich habe seit­her, laut Ovu­la­ti­ons­tests auch end­lich Eisprün­ge. Geklappt hat es noch nicht. Wir war­ten nun sehn­süch­tig wei­ter ab.

Mei­ne Frau­en­ärz­tin hat mich zur wei­te­ren Kon­trol­le ande­rer Hor­mon­wer­te auch an einen Endo­kri­no­lo­gen über­wie­sen. Der hat alle ande­ren Hor­mo­ne gecheckt und die sind alle soweit in Ord­nung. Es bleibt uns also die gro­ße Hoff­nung, dass mein kör­per­li­ches Pro­blem nun gefun­den ist und es end­lich eine rea­lis­ti­sche Chan­ce gibt, dass es klap­pen kann.

Die Dia­gno­se des Pro­lak­ti­noms war ein ech­ter Tief­punkt

Die Dia­gno­se des Pro­lak­ti­noms und die Ein­stel­lung auf die Medi­ka­men­te, die mir auf­grund beschrie­be­ner Neben­wir­kun­gen gro­ße Sor­ge berei­tet haben, waren ein ech­ter Tief­punkt.

Zu wis­sen, dass ich einen Tumor in mei­nen Kopf habe, gibt mir gele­gent­lich immer noch das Gefühl von Ver­gäng­lich­keit. Auch wenn es ein gut­ar­ti­ger Tomor ist und die­ser behan­delt wird, bleibt, dass er in mei­nem Kopf ist und macht, dass wir ohne eine kom­ple­xe Behand­lung kei­ne Eltern wer­den dür­fen. Der­zeit spricht kein Arzt von einer OP an mei­nem Kopf, daher hade­re ich nicht so sehr, wie vor den aus­führ­li­chen Gesprä­chen mit den Ärz­ten.

Sehr schwer fällt mir der Umgang mit den Emo­tio­nen

Sehr schwer fällt mir den Umgang mit den Emo­tio­nen. Vor allem zur Weih­nachts­zeit ist es sehr nie­der­schmet­ternd, erneut allein unter dem Tan­nen­baum zu sit­zen. Ich gön­ne jedem Paar ein Kind, doch es fällt mir um so schwe­rer, je näher die Per­so­nen in mei­nem Leben ste­hen.

Das Gefühl, auch end­lich eine voll­stän­di­ge Fami­lie sein zu wol­len, hat mich und mei­nen Part­ner näher zusam­men­ge­bracht. Der Umgang mit den medi­zi­ni­schen Kon­se­quen­zen, den vie­len Ter­mi­nen und die Dia­gnos­tik blie­ben bis­her an mir hän­gen, da mein Kör­per auch die Pro­ble­ma­ti­ken mit sich bringt. Das lässt mich oft an mei­ner eige­nen Weib­lich­keit zwei­feln. Dar­an, eigen­stän­dig Kin­der zu Welt zu brin­gen.

Ich fra­ge mich oft, was eigent­lich schlim­mer ist: Ab dem posi­ti­ven Test für immer Angst um mein Kind zu haben, oder für immer die Angst zu haben, nie eige­ne Kin­der haben zu kön­nen…

Prolaktinom schwanger werden

Ver­traut euch jeman­dem an

Ich emp­feh­le allen Frau­en, wenn sie sich sicher sind, dass etwas mit ihrem Kör­per nicht stimmt, dann sol­len sie den Ärzt so lan­ge ner­ven, bis die­ser eine Dia­gnos­tik vor­nimmt. Tut er das nicht, dann sol­len sie unbe­dingt den Arzt wech­seln. Kei­ne Angst haben davor, jemand ande­rem von dem schwe­ren Weg zu erzäh­len. Das gilt für Ärz­te und auch für Freun­de. Man braucht immer jeman­den, mit dem man Din­ge bespre­chen kann, die man viel­leicht mal nicht nur mit dem Part­ner aus­ma­chen kann! Ver­traut euch jeman­dem an!

Von unse­rem Kin­der­wunsch wis­sen sehr enge Freun­de und weni­ge aus der Fami­lie. Ich habe vie­len bewusst nicht erzählt, da sich eini­ge dann zu vie­le Sor­gen um mich machen wür­den… ich habe immer­hin einen Tumor im Kopf…

Vie­les gibt mir Mut und Kraft auf dem Weg

Mut und Hoff­nung gibt mir sowohl mein Hob­by, das Rei­ten wie auch mein eige­nes Pferd. Tie­re geben einem so viel was Men­schen nicht kön­nen. Die Ruhe und der Frie­den im Wald bei einem Aus­ritt macht die See­le immer ein Stück hei­ler, als sie zuvor war.

Eine wun­der­vol­le Ablen­kung gibt mir mei­ne Arbeit, die ich von Her­zen gern tue. Was gibt es schö­ne­res, als sei­nen Job zu lie­ben…

Kraft und immer gute Zuspra­che geben mir gute Freun­din­nen und stets auch mei­ne neue Frau­en­ärz­tin. Nicht zu ver­ges­sen ist hier natür­lich mein Part­ner, der anschei­nend nie den Mut ver­liert und immer an uns glaubt. Er ist mir die größ­te Stüt­ze und die liebs­te Ablen­kung.

Ich suche Aus­tausch mit Betrof­fe­nen zum Kin­der­wunsch mit Pro­lak­ti­nom

Lei­der gibt es kei­ne Berich­te über das The­ma Pro­lak­ti­nom im Inter­net, auf Blogs oder Vide­os. Man fin­det kei­ne Betrof­fe­nen und kann sich nicht aus­tau­schen und auch pri­vat ken­ne ich kei­ne Per­son, die solch ein Pro­blem hat. Das allein sein mit die­sem Pro­blem ist sehr schwer für mich.

Ich suche drin­gend Aus­tausch zum The­ma Pro­lak­ti­nom. Jeman­den, der dies hat oder hat­te und sich mit mir in Ver­bin­dung setz­ten will, um sich aus­zu­tau­schen!

Ich möch­te allen mit auf den Weg geben, dass sie nicht allei­ne sind in der schwe­ren Zeit des Kin­der­wun­sches…

Titel­bild: @canva — Young woman on bed

3 Kom­men­ta­re
  1. Anna sag­te:

    Hal­lo, mein Pro­lak­tin war auch sehr hoch. Bei mir wur­de vor kur­zem ein Pro­lak­ti­nom fest­ge­stellt. Kurz davor habe ich mit Abspra­che mei­ner Frau­en­ärz­tin mei­ne Dos­tinex Dosie­rung erhöht (Ich neh­me zusätz­lich auch Myo­i­no­si­tol) und danach hat es sofort geklappt.
    Ich war also wäh­rend dem MRT und der Pro­lak­­ti­­nom-Dia­­gno­­se schon schwan­ger.
    Mei­ne FA hat jetzt gesagt, dass ich das Dos­tinex abset­zen soll.
    Ich hof­fe, dass das kei­ne nega­ti­ven Kon­se­quen­zen auf Schwan­ger­schaft und die Ent­wick­lung des Kin­des hat.
    Alles Lie­be

    Ant­wor­ten
  2. Tine sag­te:

    Hal­lo Lisa, dein Pro­blem ist mir mehr als bekannt. Ich hat­te ein Makro­pro­lak­ti­nom wel­ches 2019 ent­deckt wur­de. Das Pro­lak­ti­nom war damals Ten­nis­ball groß und wur­de unter Dos­tinex so klein wie eine Erb­se.
    Das Medi­ka­ment nahm ich die let­zen drei Mona­ten nicht mehr ein, da mein Arzt wis­sen woll­te ob das Pro­lak­ti­nom wie­der­kommt oder so klein bleibt.
    Der Pro­lak­­ti­­nom-Wert hat sich letzt­lich wie­der ver­schlech­tert, das MRT steht noch aus.

    Wir möch­ten auch gern Kin­der jedoch müs­sen wir aktu­ell wohl noch ein wenig war­ten.

    Ger­ne kön­nen wir uns aus­tau­schen, viiel­leicht hat es ja zwi­schen­zeit­lich bei euch gekappt.

    Ant­wor­ten
  3. Sabi­ne sag­te:

    Hal­lo Lisa,
    mein Pro­lak­ti­nom wur­de 1998 dia­gnos­ti­ziert und mit Pra­vi­del (Bro­mo­crip­tin) behan­delt. 2002 bin ich schwan­ger gewor­den und habe jetzt ins­ge­samt 3 Kin­der. Das Pro­lak­ti­nom ist noch da, wird aller­dings nur alle paar Jah­re kon­trol­liert, Medi­ka­men­te neh­me ich jetzt nicht mehr.

    Bei Glan­­du­­la-online gibt es zum Bei­spiel wei­te­re Infor­ma­tio­nen:
    https://www.glandula-online.de/fileadmin/informationsmaterial_broschueren/Prolaktinom_Bro_web.pdf

    Ant­wor­ten

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