Erfahrungen mit wiederholten Fehlgeburten & Diagnosen: Nach 7 Verlusten zum Regenbogenbaby
Mit 23 Jahren begann für Hannah eine Kinderwunschreise, die sie sich in diesem Alter nie hätte vorstellen können. Heute, mit 27 Jahren, teilt sie ihre Erfahrungen mit wiederholten Fehlgeburten und Diagnosen – 7 Verluste, unzählige Untersuchungen und am Ende ein wunderbares Regenbogenbaby. Hannah erzählt hier ihre Geschichte, um anderen Frauen Mut zu machen: Es gibt Hoffnung, auch wenn der Weg unglaublich steinig ist.
Der Beginn unserer Kinderwunschreise
2020 fiel der Startschuss für unseren Kinderwunsch – voller Hoffnung, ohne zu ahnen, was vor uns lag. Ich komme aus einer kinderreichen Familie, in der ungewollte Kinderlosigkeit kein Thema war. Doch es sollte für uns anders kommen – was folgte, waren Jahre voller Hoffnung, Schmerz und am Ende doch noch Glück.
Die ersten drei Fehlgeburten – und die Suche nach Ursachen
Es folgten drei frühe Fehlgeburten in der SSW 4+6, 5+3 und 6+0. Nach der dritten Fehlgeburt begann meine Frauenärztin mit der Ursachenforschung. Für Frauen mit wiederholten Fehlgeburten ist diese Diagnostik der entscheidende Schritt.
Hormonuntersuchung
Der Hormonstatus zeigte einen Progesteronmangel sowie den Verdacht auf PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom). Ich bekam Famenita 100 in der Dosierung 1–0‑1 verschrieben – also morgens und abends je eine Tablette. Zusätzlich erhielt ich prophylaktisch ASS 100.
Gerinnungsdiagnostik
Die Gerinnungsuntersuchung brachte drei erhöhte Thrombosefaktoren zutage: erhöhtes Lipoprotein a, Kollagenrezeptor GPIa Genotyp 807TT sowie die Prothrombin G20210A-Mutation. Als Therapie erhielt ich zusätzlich Clexane-Spritzen.
Weitere Untersuchungen
Die humangenetische Untersuchung und das Spermiogramm meines Partners ergaben beide keinen Befund.
Fehlgeburten 4 und 5 – trotz Therapie
Trotz der eingeleiteten Behandlung erlebte ich zwei weitere Fehlgeburten. Die vierte endete als Missed Abortion in der SSW 9+6 mit Ausschabung – die Diagnose: Turner-Syndrom und Verdacht auf Edward-Syndrom beim Embryo. Die fünfte Fehlgeburt folgte in der SSW 8+3.
“Du wirst wahrscheinlich nie ein Kind bekommen”
Nach der fünften Fehlgeburt entließ meine Frauenärztin mich mit Worten, die mich zutiefst erschütterten: Ich würde wahrscheinlich nie ein Kind bekommen können. Im ersten Moment bricht die eigene Welt zusammen. Man vertraut seinen Ärzten und ich konnte es gar nicht fassen, dass mir so etwas passieren soll.
Ohne einen klar belegten medizinischen Grund konnte ich nicht aufgeben.
Doch ich bin ein sehr logischer Mensch – für mich muss alles einen Hintergrund haben. Ohne einen klar belegten medizinischen Grund konnte ich (zum Glück) nicht aufgeben. Beim Folgetermin kam ich direkt mit der Bitte um eine Überweisung in die Kinderwunschklinik. Meine Möglichkeiten waren noch nicht ausgeschöpft.
Das Wunder geschah: Mein Regenbogenbaby
Knapp drei Monate später wurde ich überraschend schwanger – und diesmal hielt die Schwangerschaft.
Die ersten 12 Wochen – geprägt von Angst statt Freude
Da alle meine Fehlgeburten innerhalb des ersten Trimesters stattgefunden hatten, traute ich mich kaum, Vorfreude zu entwickeln. Die ersten zwölf Wochen waren sehr schwierig – das kennen viele Frauen mit wiederholten Fehlgeburten.
Als ich dann die 12. SSW erfolgreich geschafft hatte, konnte ich mich endlich freuen. Richtig erleichtert war ich, als ich sie spüren konnte – denn so wusste ich immer, dass es ihr gut geht. Neun Monate später kam mein Mädchen kerngesund zur Welt. Man sagt, Mädchen seien widerstandsfähiger als Jungen. Ob das der Grund war? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass ich unendlich dankbar bin.
Was mir in den schwersten Momenten geholfen hat
Aufgeben war für mich nie eine Option. Als ich klein war, hatten andere Kinder Berufswünsche – ich wollte immer Mama werden. Das konnte ich nie einfach wegwerfen. Die ersten Tage nach einer Fehlgeburt sind besonders hart, da ziehe ich mich zurück. Aber mein Mann ist eine große Unterstützung und auch der engste Vertraute – diesen Weg kann man nicht alleine gehen.
Auch als ich selbst mit anderen darüber sprach, bekam ich das Feedback, dass ich nicht alleine bin. Das tat so gut zu hören – besonders von Menschen, die nachher doch erfolgreich ein Kind bekommen haben.
Wie unsere Beziehung die Krise gemeistert hat
Natürlich setzt eine solche Kinderwunschreise Paare sehr unter Stress. Trotz allem haben wir nie die Schuld bei jemandem gesucht. Ich habe mir zwar viele Gedanken gemacht, warum ich die Babys nicht halten kann, und habe mich als schuldig gesehen – aber wir haben uns nie gegenseitig beschuldigt.
Wir sitzen gemeinsam im Boot, gehen dort gemeinsam durch und geben uns gegenseitig Kraft, wenn der jeweils andere es gerade braucht. Unsere Beziehung ist dadurch eher stärker geworden. Ich denke, das ist nicht selbstverständlich – es gehen sicher Beziehungen durch den unerfüllten Kinderwunsch in die Brüche.
Der Versuch für ein zweites Kind – zwei weitere Fehlgeburten
Etwa ein Jahr nach der Geburt unserer Tochter begannen wir, an unserem zweiten Wunschkind zu arbeiten. Wir hofften, dass es diesmal einfacher werden würde. Doch stattdessen folgten zwei weitere Fehlgeburten: eine sehr frühe bei SSW 5+0 und eine missed Abortion bei SSW 8+3 mit erneuter Ausschabung. Damit stieg die Gesamtzahl unserer Fehlgeburten auf sieben.
Erweiterte Diagnostik – alles ausgeschöpft
Nach insgesamt sieben Fehlgeburten wurde die Diagnostik erneut ausgeweitet. Untersucht wurde auf Insulinresistenz, Schilddrüsenerkrankung und Vitaminmangel – alles ohne Befund.
Zusätzlich folgte eine Gebärmutterspiegelung mit Biopsie der Gebärmutterschleimhaut, bei der gezielt auf Plasmazellen und natürliche Killerzellen getestet wurde. Auch hier: kein Befund.
Noch ausstehend ist die Untersuchung der Spermien meines Partners auf DNA-Fragmentationen. Sollte ich erneut schwanger werden, ist außerdem geplant, immunologisch die B‑Lymphozyten während der Schwangerschaft kontrollieren zu lassen. Ansonsten haben wir, soweit ich weiß, alles durch, was es an Diagnostik so gibt.
Der nächste Schritt: ICSI
Nun begeben wir uns in naher Zukunft in die ICSI-Behandlung. Wir hoffen sehr, dass dies unser Weg zum ersehnten zweiten Kind sein wird und wir das Thema Kinderwunsch endlich abschließen können.
Über Fehlgeburten sprechen – ja oder nein?
Am Anfang habe ich nicht darüber gesprochen, weil es “normal” ist, mal eine Fehlgeburt zu erleiden – und es mir besser damit ging, dass es niemand weiß. Meine vierte Fehlgeburt musste ich auf der Arbeit öffentlich machen. Ich bekam viel Zuspruch und Feedback von selbst Betroffenen – das tat gut. Allerdings gingen anschließend alle mit mir um wie mit einem rohen Ei. Das fand ich nicht so gut. Mir half die Normalität am meisten, um weiterzumachen.
Auf unserer Hochzeit wurde unsere Kinderwunschreise von unserer freien Traurednerin aufgegriffen. So weiß nun jeder aus unserem Umfeld, wie schwer unser Weg war – das finde ich gut, denn niemand fragt mich mehr, wie es mit Kind 2 ausschaut.
Meine Sternchen gehören zu mir, auch wenn ich sie so früh verloren habe. Auch sie haben mich ein Stückchen zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin – und das dürfen die Menschen auch wissen.
Meine Tipps für Frauen mit wiederholten Fehlgeburten
Du bist nicht alleine. Das ist für mich das Wichtigste. So viele Frauen gehen durch Ähnliches – und genau das zu wissen, kann in den dunkelsten Momenten tragen.
Kümmere dich selbst um die Diagnostik. Im Kinderwunsch sind wir Frauen leider oft auf uns selbst angewiesen. Nicht jeder Arzt testet alles. Ergreife die Eigeninitiative und sprich deine Ärzte auf individuelle Behandlungen an. Auf meine Eigeninitiative wurden weitere Behandlungen durchgeführt – mit Diagnose!
Sucht niemals die Schuld beim Partner. Ihr sitzt gemeinsam im Boot. Gebt euch gegenseitig Kraft, wenn der jeweils andere es gerade braucht.
Entscheide selbst, wann und mit wem du sprichst. Irgendwann kann man diesen Weg nicht mehr alleine gehen. Den richtigen Zeitpunkt bestimmst du selbst.
Gib nicht auf. Auch wenn Ärzte aufgeben – du musst es nicht. Nach fünf Fehlgeburten und einer niederschmetternden Prognose kam dennoch mein Regenbogenbaby.
Häufige Fragen zu wiederholten Fehlgeburten
Ab wann spricht man von wiederholten Fehlgeburten?
Medizinisch spricht man von habituellen Aborten ab drei aufeinanderfolgenden Fehlgeburten. Ab diesem Zeitpunkt sollte eine umfassende Ursachenforschung eingeleitet werden.
Welche Untersuchungen sind bei wiederholten Fehlgeburten sinnvoll?
Zu den wichtigen Untersuchungen gehören: Hormonanalyse, Gerinnungsdiagnostik, humangenetische Untersuchung, Spermiogramm inkl. DNA-Fragmentationstest, Gebärmutterspiegelung, Untersuchung auf Autoimmunerkrankungen und Stoffwechselstörungen. Es gibt hilfreiche Facebook-Gruppen mit detaillierten Checklisten.
Kann man nach mehreren Fehlgeburten noch ein gesundes Kind bekommen?
Ja, definitiv. Auch nach sieben Fehlgeburten ist eine erfolgreiche Schwangerschaft möglich, wie dieser Erfahrungsbericht zeigt. Wichtig ist die gründliche Diagnostik und Therapie der Ursachen.
Was ist ein Regenbogenbaby?
Als Regenbogenbaby bezeichnet man ein Kind, das nach einem oder mehreren Verlusten – Fehlgeburten, Totgeburten oder dem Tod eines Neugeborenen – gesund zur Welt kommt. Wie der Regenbogen nach dem Sturm steht es symbolisch für Hoffnung und Freude nach einer schweren Zeit.
Wie gehe ich mit den ersten 12 Wochen einer neuen Schwangerschaft nach Fehlgeburten um?
Die ersten zwölf Wochen sind nach wiederholten Fehlgeburten besonders schwierig. Es ist völlig normal, sich keine Freude zu erlauben. Engmaschige ärztliche Betreuung, Unterstützung durch den Partner und enge Vertraute können helfen, diese Zeit zu meistern.
Wann sollte man über ICSI oder IVF nachdenken?
Wenn trotz Behandlung bekannter Ursachen weitere Fehlgeburten auftreten, kann eine ICSI oder IVF sinnvoll sein. Dies sollte gemeinsam mit Spezialisten in einer Kinderwunschklinik besprochen werden.
Kann die Progesterontherapie bei wiederholten Fehlgeburten helfen?
In diesem Erfahrungsbericht wurde Progesteronmangel diagnostiziert und mit Famenita 100 behandelt. Die Therapie alleine verhinderte weitere Fehlgeburten zunächst nicht, war aber Teil eines umfassenden Behandlungsplans. Die Wirksamkeit ist individuell verschieden.
Welche Rolle spielt die Gerinnungsstörung bei Fehlgeburten?
Gerinnungsstörungen können eine wichtige Ursache für wiederholte Fehlgeburten sein. In diesem Fall wurden gleich drei erhöhte Thrombosefaktoren gefunden und mit Clexane und ASS behandelt. Deshalb sollte eine Gerinnungsdiagnostik bei habituellen Aborten unbedingt durchgeführt werden.
Sollte man offen über Fehlgeburten sprechen?
Das ist sehr individuell. Sprechen kann enorm entlasten und zeigt anderen Betroffenen, dass sie nicht allein sind. Den Zeitpunkt und den Kreis der Vertrauten sollte man selbst bestimmen. Wichtig ist, nicht zu lange alles mit sich alleine zu tragen.
Deine Erfahrungen
Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht? Bist du auch durch wiederholte Fehlgeburten gegangen oder hast ein Regenbogenbaby bekommen? Teile gerne deine Geschichte in den Kommentaren. Gemeinsam sind wir stark und können uns gegenseitig Mut machen.
Hinweis: Dieser Erfahrungsbericht wurde von einer betroffenen Frau zur Verfügung gestellt und gibt ihre persönliche Geschichte wieder. Er ersetzt keine medizinische Beratung. Bei wiederholten Fehlgeburten solltest du dich an einen spezialisierten Facharzt oder eine Kinderwunschklinik wenden.




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