Caro­li­ne Mit­ter­dor­fer im Inter­view: In monat­li­chen Raten zum Kin­der­wunsch

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Der Weg zum Kin­der­wunsch ist ner­ven­rau­bend. Nicht nur lei­det unser Kör­per, unse­re Psy­che und unser Wohl­be­fin­den dar­un­ter, son­dern lei­der auch unser Bank­kon­to. Caro möch­te die­sem Trend gegen­steu­ern und hat aus die­sem Grund Levy gegrün­det. Eine Finan­zie­rungs­platt­form für künst­li­che Befruch­tung. Heu­te spre­che ich mit Caro über die anfal­len­den Kos­ten zur künst­li­chen Befruch­tung und Frucht­bar­keit und Finan­zie­rung in monat­li­chen Raten. Ich freue mich sie als Gesprächs­part­ner im Inter­view zu haben.

Caro­li­ne Mit­ter­dor­fer ist Grün­de­rin von Levy. Das Unter­neh­men unter­stützt Pati­en­ten, wel­che vor oder wäh­rend einer Behand­lung zur künst­li­chen Befruch­tung ste­hen, pas­sen­de Raten­zah­lungs­mög­lich­kei­ten zu fin­den. >  Levy

Hal­lo Caro, schön, dass du hier bist.
War­um denkst du, dass Kos­ten und Frucht­bar­keit in Ver­bin­dung ste­hen?

Hal­lo lie­be Clau­dia. Dan­ke dir für die Ein­la­dung und vor allem, dass du dem The­ma Kos­ten zur künst­li­chen Befruch­tung einen Platz in dei­nem Blog schenkst.

Ein uner­füll­ter Kin­der­wunsch ist eine enor­me Belas­tung für die Frau und das Paar. Nicht nur kön­nen die Behand­lun­gen stra­pa­zi­ös sein, son­dern sie rüt­teln auch ordent­lich am Selbst­wert­ge­fühl, an der Bezie­hung und vor allem an der psy­chi­schen Gesund­heit. Was zusätz­lich hin­zu­kommt, ist ein finan­zi­el­ler Stress: Spe­zi­al­be­hand­lun­gen, die Kryo­kon­ser­vie­rung und für man­che die Behand­lung selbst, schaf­fen enorm hohe Kos­ten. Kos­ten die intrans­pa­rent sind und oft den Preis von einem Mit­tel­klas­se­wa­gen ähneln.

Wir spre­chen nicht ger­ne über unse­re Unfrucht­bar­keit, und schon gar nicht über unse­re liqui­den Mit­teln. Aber sie ste­hen lei­der so eng anein­an­der. Wer sich even­tu­ell die 4., 5. oder 6. Run­de IVF nicht leis­ten kann, hat gege­be­nen­falls gerin­ge­re Chan­cen auf das Wunsch­kind. Und das fin­de ich schlicht und ein­fach nicht fair.

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Also ist aktu­ell gese­hen die Behand­lung zur künst­li­chen Befruch­tung eigent­lich ein Luxus­gut?

Für man­che defi­ni­tiv, soll­te es aber mei­nes Erach­tens nicht sein.

Wie wir wis­sen betrifft Unfrucht­bar­keit mehr Men­schen als gedacht — jedes 7. Pär­chen in Deutsch­land ist unge­wollt kin­der­los. Noch dazu wer­den wir Frau­en immer spä­ter Müt­ter, aktu­ell liegt das Durch­schnitts­al­ter bei 30 Jah­ren (8 Jah­re spä­ter als in den 1970ern). Das betrifft also nicht nur die aktu­ell gezähl­ten 6 Mil­lio­nen Men­schen mit uner­füll­tem Kin­der­wunsch, son­dern ist eine Zahl die rasant Jahr zu Jahr zunimmt.

Wie stehst du zu der Kos­ten­über­nah­me von den Kran­ken­kas­sen?

Dafür bin ich extrem dank­bar. Wir kön­nen uns auch im Gegen­satz zu ande­ren Län­dern auch abso­lut glück­lich schät­zen. Den­noch, wer­den die Kos­ten zur künst­li­chen Befruch­tung nur limi­tiert von den gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen (GKV) über­nom­men. Und das obwohl die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) seit 2004 Unfrucht­bar­keit als Krank­heit ansieht. In Deutsch­land jedoch sieht man das wohl anders, denn die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung wur­de im glei­chen Jahr dras­tisch (um 25%) gekürzt.

Seit dem GKV-Moder­ni­sie­rungs­ge­setz (GMG) wer­den nur mehr 50% bei max. 3 IVF/ICSI-Behand­lun­gen und 8 Behand­lun­gen bei IUI über­nom­men. ABER lei­der nur für ver­hei­ra­te­te, hete­ro­se­xu­el­le Paa­re, bei denen die Frau unter 40 ist und der Mann unter 50 Jah­ren alt ist.

Allein­ste­hen­de Frau­en, gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re oder auch Paa­re im höhe­rem Alter — und man beach­te, dass das Durch­schnitts­al­ter bei künst­li­chen Befruch­tun­gen 37 Jah­re ist — wer­den hier total außen vor­ge­las­sen.

Was mich aber per­sön­lich ärgert, ist dass die All­ge­mein­heit für ein gebro­che­nes Bein vom Sport­un­fall oder eine erkrank­te Lun­ge vom Rau­chen zu 100% auf­kom­men muss, aber bei uner­füll­tem Kin­der­wunsch har­te Vor­schrif­ten gesetzt wer­den. Das macht für mich kei­nen Sinn.

Und des­halb hast du Levy zur Finan­zie­rung der Kos­ten von künst­li­chen Befruch­tun­gen gegrün­det?

Teils abso­lut, ja! Aber vor allem, weil ich fes­ter Über­zeu­gung davon bin, dass jeder eine Chan­ce auf Frucht­bar­keit ver­dient hat. Geld soll­te hier mei­ner Mei­nung nach kei­ne Rol­le spie­len.

Nicht nur soll­te jeder die Mög­lich­keit für eine künst­li­che Befruch­tung haben und nicht auf For­de­run­gen ver­zich­ten müs­sen, son­dern auch wei­te­re Run­den bean­spru­chen kön­nen, wenn mehr als die durch­schnitt­lich 3 benö­tigt wer­den. Wir dür­fen nicht ver­ges­sen, eine garan­tier­te Schwan­ger­schafts­ra­te von 65% wer­den erst nach durch­schnitt­lich 6 Run­den erzielt!

Wie kann bei­spiels­wei­se Levy bei der Finan­zie­rung der Kos­ten einer IVF oder ICSI hel­fen?

Levy ermög­licht dir dei­ne Behand­lungs­kos­ten ein­fach in Raten zu zah­len. Hier­für haben wir einen für medi­zi­ni­sche Leis­tun­gen eigens abge­stimm­ten Kin­der­wunsch-Kre­dit gebaut. Wir arbei­ten hier mit der Qlick Bank zusam­men, die inter­na­tio­na­le Mar­ke der BAWAG Group AG. Da wir zu 100% digi­tal den Finanz­plan abwi­ckeln, kön­nen wir güns­ti­ge­re Zins­sät­ze als die klas­si­sche Haus­bank oder ande­re Sofort-Kre­dit­ge­ber gewäh­ren.

Du bist 28 und soweit ich weiß hast du aktu­ell noch kei­nen Kin­der­wunsch — wie bist du denn dann auf die Idee gekom­men die Kos­ten für künst­li­che Befruch­tun­gen zu finan­zie­ren?

Um ehr­lich zu sein, war ich vor einem Jahr mit mei­ner eige­nen Frucht­bar­keit kon­fron­tiert und woll­te mir mei­ne Optio­nen offen hal­ten. Ich selbst bin, wie 80% aller Frau­en, an HPV Viren erkrankt, die sich bereits zu einer Vor­stu­fe von Gebär­mut­ter­hals­krebs ent­wi­ckelt haben. Da wird einem sehr sehr schnell klar, dass die eige­ne Frucht­bar­keit nicht selbst­ver­ständ­lich ist.

Ich habe mich ent­spre­chend dazu ent­schlos­sen mei­ne Eizel­len früh­zei­tig ein­frie­ren zu las­sen, um spä­ter mei­ne Chan­cen zu erhö­hen. Geschei­tert ist es dann, an den Kos­ten. Mich hats regel­recht vom Stuhl geschmis­sen: etwa €3.000,00 pro Zyklus, 2 wer­den emp­foh­len. Da der Ein­griff nichts ande­res als eine Ver­si­che­rung ist, war mir dies auf einem Schlag zu hoch. Also habe ich mich nach Finan­zie­run­gen umge­se­hen — und da gab es wirk­lich nichts.

Fast 20 Ban­ken haben mei­nen Antrag abge­lehnt — kei­ne Sach­leis­tung, unan­ge­neh­mes The­ma, zu hohes Risi­ko. Ent­spre­chend habe ich beschlos­sen was eige­nes zu bau­en, und das habe ich schluss­end­lich auch gemacht!

Für wen ist Levy und wie struk­tu­rie­ren sich die monat­li­chen Raten?

Levy ist für jeden ab 18 Jah­ren mit Wohn­sitz in Deutsch­land. Egal wel­cher Her­kunft, Alter, Fami­li­en­stand oder sexu­el­len Inter­es­sen. Die monat­li­che Rate wird auf Basis der Behand­lungs­kos­ten, den Zah­lungs­zeit­raum und der Boni­tät ange­passt. Hier wird beim Antrag auch sicher­ge­stellt, dass kei­ner sich ver­schul­det — das ist mir per­sön­lich wich­tig, alles ande­re könn­te ich ethisch nicht ver­tre­ten.

Über das Geld kann inner­halb kür­zes­ter Zeit ver­fügt wer­den, egal ob die Behand­lung in Deutsch­land oder im Aus­land statt­fin­det. Eben­so kann die Sum­me auch nach­träg­lich ange­passt wer­den, sofern wei­te­re Behand­lun­gen benö­tigt wer­den.

Vie­len Dank, Caro. Dein Vor­ha­ben fin­de ich schön und unter­stüt­ze ich ger­ne. Da es eigent­lich nicht wirk­lich eine Lob­by für Pati­en­ten mit Kin­der­wunsch gibt, soll­ten wir hier defi­ni­tiv und gemein­sam lau­ter wer­den!

Ich dan­ke dir. Und eines kann ich dir ver­spre­chen, ich wer­de laut sein!

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