Schwanger

„Wir können es kaum erwarten unser Baby bald im Arm zu halten – nach 5 langen Kiwu-Jahren, TESE und dem 7. Transfer.“

In der Reihe Kinderwunsch Unplugged führt Wegweiser Kinderwunsch Interviews mit Frauen und Männern, die vom unerfüllten Kinderwunsch betroffen sind. Hier hier werden Themen angesprochen, die meistens tabu sind. Du bist auf deinem Kinderwunsch-Weg mit allen seinen Sorgen, Ängsten und Nöten nicht alleine. 


Heute im Interview:
Fräulein Klee (Instagram-Name) , 29 Jahre, Partner Azoospermie,  Verdacht PCO
4 ICSIS, 3 Kryos, schwanger nach dem 7. Transfer

Auf Instagram verfolge ich die Kinderwunsch-Wege von vielen Frauen. Besonders beeindruckt hat mich dabei der Weg von Fräulein Klee (auf Instagram treten die meisten Kinderwunsch-Frauen unter anonymen Namen auf. Hier findet ihr sie auf Instagram.) Sie hat inzwischen 4 ICSI und 3 Kryos hinter sich. Aber trotz aller Rückschläge verlor sie nie den Glauben an ein positives Ende und kämpfte weiter für ihr Baby. Letztendlich gab Ihrer Meinung nach der Rezept „Pimp my eggs“ wohl den Ausschlag dafür, dass Sie schon bald ihr Baby im Arm halten darf. (Update: zum Zeitpunkt des Interviews war Fräulein Klee schwanger. Inzwischen dürfen wir Ihr zu einem Sohn gratulieren.)

Wegweiser Kinderwunsch:
Wer bist Du? Erzähle uns ein wenig über dich selbst.

Fräulein Klee:

Ich bin 29 Jahre alt, seit 3 Jahren verheiratet und lebe in der Nähe von Dresden. Nach 5 Kinderwunschjahren erwarten wir in wenigen Tagen unser erstes Baby (derzeit befinde ich mich in der 40. SSW). Beruflich bin ich Führungskraft im Gesundheitsbereich.

Wegweiser Kinderwunsch:
Was hast Du auf Deinem Kinderwunsch-Weg alles erlebt?

Fräulein Klee:

Die ausführliche Kiwu-Geschichte folgt am Ende des Interviews und ist sehr lesenswert.

Kurze Zusammenfassung:
08/2012   Absetzen Pille
08/2013   Diagnose Azoospermie
03/2014   TESE-OP
05/2014   Humangenetische Untersuchung
11/2014   1. Icsi – negativ
01/2015   Gebärmutterspiegelung
03/2015   1. Kryo-Versuch – negativ
05/2015   2. Kryo-Versuch – negativ
07/2015   Untersuchung bei Frau Dr. Graf, Leipzig
08/2015   Klinkwechsel zum FCH
09/2015   2. Icsi – negativ
04/2016   3. Icsi – Eileiterschwangerschaft/ Bauchspiegelung
08/2016   4. Icsi – negativ
11/2016   3. Kryo-Versuch – positiv

Wegweiser Kinderwunsch:
Was waren die wichtigsten Entscheidungen auf dem Weg zum positiven Schwangerschaftstest?

Fräulein Klee:

Definitiv das Hören aufs Bauchgefühl:
Wechsel der Kinderwunschklinik; Wechsel zum FCH (professionelle, freundliche und moderne Klinik)

Mein Persönliches Erfolgsrezept:

  • „Pimp my eggs“ von kiwu.journey (Link zum Rezept)
  • Aufgrund PCO-Syndrom die regelmäßige Einnahme von Clavella* (Amazon Partnerlink)
  • Reduzierung Gewicht; Umstellung Trink- und Essverhalten.
  • Selbst informieren und Untersuchungen anstreben (Untersuchung bei Frau Dr. Graf in Leipzig / Gerinnung, Immunität, etc.)

Wegweiser Kinderwunsch:
Was waren für dich die größten Herausforderungen und Probleme in Bezug auf den unerfüllten Kinderwunsch?

Fräulein Klee:

 

  • Die Ungewissheit ob man jemals ein eigenes Kind bekommen wird.
  • Häufig auch viele Fragen, die niemand richtig beantworten kann (warum hatten wir so oft eine schlechte Befruchtungsrate, warum kam es so häufig nie zu einer Einnistung, etc.).
  • Fragen des Umfeldes bedingt. Engste Freunde und die Familie wussten Bescheid.
  • Der finanzielle Aspekt wäre als nächstes dazu gekommen, wenn wir Selbstzahler geworden wären. Aber auch die Kosten für die Kryo-Versuche und das fortlaufende Einlagern der TESE-Proben sind nicht gerade wenig.

 

Wegweiser Kinderwunsch:
Gab es für dich einen persönlichen Tiefpunkt und wie hast du ihn überwunden?

Fräulein Klee:

  • Der ganze Kiwu-Weg war äußerst schwer. Noch immer habe ich das alles nicht ganz verdaut und denke immer wieder an die letzten Jahre zurück. Vor allem jetzt wo wir so kurz vorm Ziel sind und unser Baby bald im Arm halten dürfen. Es ist so unfassbar schwer und es gibt so viele betroffene Paare.
  • Als großes Loch empfand ich die Zeit nach der Eileiterschwangerschaft. Mir ist danach erst so richtig bewusst geworden, dass wir ein kleines Baby verloren haben. Immer wieder musste ich an diese kleine Seele denken, die einfach so aus ihrer Welt gerissen wurde, weil sie sich die falsche Stelle ausgesucht hatte.
  • Am meisten hat es mir persönlich immer geholfen direkt weiter zu machen. Ich brauchte einen Plan und Alternativen. Zum Beispiel: wenn Versuch Nr. 4 schief geht, dann informieren wir uns im Ausland. Auch über Embryonenspende habe ich mich als Alternative informiert. Ob es tatsächlich dazu gekommen wäre, weiß ich nicht.

Wegweiser Kinderwunsch:
Was hat dir Kraft und Mut auf deinem Weg gegeben?

Fräulein Klee:

  • Der feste Glaube daran, dass alles gut wird und es nur eine Frage der Zeit ist
  • Erfolgsgeschichten anderer langjähriger Kiwu-Frauen
  • Austausch im Forum kleinputz.de, diversen Facebook-Gruppen und vor allem der Austausch bei Instagram

Wegweiser Kinderwunsch: 
Was sollte bei einer Frau mit Kinderwunsch nicht fehlen?

Fräulein Klee:

  • Aus eigener absoluter Überzeugung kann ich das Rezept „pimp my eggs“ von kiwu.journey empfehlen; für Männer gibt es „pimp my sperm“, welches wir aber nie probieren konnten
  • Das Buch Gesund in sieben Tagen*  ist zum Thema Vitamin D auch eine prima Hilfe gewesen
  • Auch Clavella* fand ich prima. Es ist ein Nahrungsergänzungsmittel für PCO-Frauen, soll aber auch die Eizellqualität verbessern
  • Reduzierung des Gewichtes bei hohem/ leicht erhöhtem BMI, vor allem Bauchspeck soll ein Hindernis bei Kinderwunsch sein
  • 2 Liter am Tag trinken (bestenfalls Wasser oder ungesüßter Tee)
  • Paranüsse* und Avocado fand ich auch prima (Superfood)
  • Granatapfelsaft* für den Aufbau der GMSH (unbedingt Muttersaft, z.B. von Rossmann, DM)
  • Globuli Bryophyllum* und Calcium carbonicum*(für den Aufbau der GMSH)
  • Hören aufs Bauchgefühl, vor allem bei der Auswahl der Ärzte oder dem Gefühl, dass etwas im Inneren nicht stimmen könnte
  • Keine Zeit verschwenden

*Amazon Partnerlinks

Wegweiser Kinderwunsch: 
Wie offen bist Du mit dem unerfüllten Kinderwunsch umgegangen?

Fräulein Klee:

Anfangs wusste niemand etwas davon. Nach den ersten Untersuchungen haben wir unsere Familie eingeweiht. 2 Jahre später dann auch die engsten Freunde. Es wurde einfach immer schwieriger gewisse Dinge zu verheimlichen (zeitweise kein Alkohol, Krankschreibungen, Terminabsagen, etc.). Auch meinem Chef habe ich irgendwann eingeweiht, so war es leichter kurzfristige Termine wahrzunehmen oder Urlaub zu bekommen.

Das weitläufigere Umfeld oder Bekannte wissen aber von nichts. Zumindest haben wir nie etwas erwähnt.

Wegweiser Kinderwunsch:
Wurdest Du in Bezug auf den Kinderwunsch mit unsensiblen Fragen oder Kommentaren konfrontiert?

Fräulein Klee:

Hier fällt mir nur der Klassiker ein: „Und wann ist es bei euch so weit?“ / „Wann wollt ihr denn endlich mal ein Baby bekommen?. Ich konnte damit immer recht gut umgehen und habe dann häufig auch mit Gegenfragen geantwortet, z.B. „Wann heiratet ihr denn?/ Wann baut ihr ein Haus?/ Wann bekommt ihr ein (weiteres) Geschwisterchen?“.

Erstaunlicherweise sind manche Menschen so blauäugig, dass sie es einfach nicht merken, wenn sie in ein Fettnäpfchen treten und fragen immer wieder nach. Da muss man einfach stark bleiben und drüber hinweggehen. Zur Not kann man auch mal sagen, dass es nicht immer so einfach ist mit manchen Dingen und das dann so im Raum stehen lassen.

Wegweiser Kinderwunsch:
Möchtest Du den Lesern sonst noch etwas mit auf den Weg geben? 

Fräulein Klee:

Der Austausch in den Netzwerken tat und tut mir persönlich immer sehr gut. Man kann sich mit Gleichgesinnten austauschen, Tipps geben und auch gewisse Situationen und Gedanken (besser) verarbeiten. So findet man auch immer kleine Puzzleteile, die einen selbst eventuell voran bringen können. Man ist nicht alleine mit den vielen Gedanken und Ängsten.


Ganz besonders freut es mich, dass Fräulein Klee mir nicht nur das Interview gegeben hat, sondern auch ihre persönliche Geschichte für euch aufgeschrieben hat. Viel Spaß euch beim Lesen: 

 

Diagnose Azoospermie

Die Pille habe ich im August 2012 abgesetzt. Ein knappes Jahr später erhielten wir dann leider die Diagnose Azoospermie, vermutlich als Folge eines zu spät behandelten Hodenhochstands meines Mannes im Kindesalter. Diese Diagnose zog uns den Boden unter den Füßen weg. Noch nie vorher davon gehört, begann ich im Internet zu recherchieren. Es konnte doch nicht sein, dass wir niemals Kinder haben werden, dass da einfach keine Spermien sind… Ich las von der Möglichkeit einer TESE-Operation und stieß auf kleinputz.de.

Die TESE-Operation

In einem gesonderten Forum konnte man sich dort mit Leidensgenossinnen austauschen und von verschiedenen Erfolgen lesen. Die meisten empfahlen die OP bei Prof. Dr. Schulze in Hamburg durchführen zu lassen. Je mehr ich von ihm und seinen Erfolgen las, desto größer wurde mein „Verlangen“ seine Meinung zu unserem Fall zu hören.

Ich fackelte also nicht lange und vereinbarte einen Termin für November 2013. Mein Mann war anfangs sehr zurückhaltend und wusste nicht so recht, wie es nun weiter gehen sollte. Als ich ihm sagte, dass wir nach Hamburg zu Prof. Dr. Schulze fahren sollten, dachte er anfangs ich scherze. Immerhin sind das 500 km Entfernung. Es muss doch auch hier bei uns vor Ort entsprechende Ärzte geben. Ja die gibt es, aber in dem Forum gab es mehrere Paare die sich im ersten Schritt für einen Arzt vor Ort entschieden haben und erfolglos blieben.

Monate oder gar Jahre später wagten sie dann einen erneuten Versuch bei Prof. Dr. Schulze und hatten Erfolg. Ich war fest entschlossen, wenn wir diesen Weg gehen, dann in Hamburg. Mein Mann war schließlich einverstanden und so fuhren wir im November 2013 erstmals nach Hamburg. Damals noch nicht ahnend, wie viel uns diese Stadt eines Tages bedeuten wird.

Wir fieberten dem Termin entgegen und waren gespannt was der Arzt sagte. Ob wir eine Chance mit der OP haben werden. Prof. Dr. Schulze sagte uns schließlich, dass er die OP versuchen würde. Uns fiel ein erster Stein vom Herzen. Noch vor Ort in Hamburg vereinbarten wir also einen Termin für die TESE.

Im März 2014 war es dann soweit. Wir waren extrem nervös, hatten Angst vor einem finalen negativem Ausgang und der Gewissheit, niemals eigene Kinder haben zu können. Die Operation fand im UKE Hamburg statt. Mein Mann im OP, ich völlig nervös im Wartezimmer. Die Zeit verging viel zu langsam. Irgendwann dann endlich die Info, dass ich zu meinem Mann könne. Er lag mit Jogginghosen auf einer Liege. Links und rechts daneben zwei weitere Männer mit ihren Frauen. Wir sprachen kein Wort miteinander und waren doch so verbunden. Noch heute frage ich mich, wie es den beiden Paaren in den letzten Jahren wohl ergangen ist.

Schließlich kam Prof. Dr. Schulze und sagte zu uns 3 Paaren, dass er bei allen Männern Erfolg hatte und Spermien gewinnen konnte. Wir waren wie in Trance. Anschließend erfolgte noch ein Einzelgespräch mit dem Arzt. Er informierte uns darüber, dass er bei meinem Mann die Höchstanzahl entnehmen konnte, die er bei einer TESE entnimmt und die Aussichten sehr erfolgsversprechend aussehen. Zu meinem Mann sagte er noch, dass er sich nie wieder einer solchen Operation unterziehen muss. Überglücklich verließen wir Hamburg.

Wenige Tage später erhielten wir einen ausführlichen OP-Bericht. Die entnommenen Spermien wurden nach dem Johnson-Score bewertet (Qualitätseinstufung) und erhielten die Bestnote. Das war so unfassbar und wir hatten das erste Mal das Gefühl, Gewissheit zu haben, eines Tages unser Baby im Arm halten zu können.

Erste ICSI und Kryos

Es verging etwas Zeit. Wir heirateten, verreisten und holten das TESE-Material schließlich von Hamburg nach Dresden in unsere damalige Kinderwunschklinik. Im November 2014 erfolgte schließlich die erste ICSI. Damals noch völlig naiv glaubten wir daran, dass ich nun bald schwanger sein werde. 25 Eizellen wurden mir bei der ersten Punktion entnommen. Mit diesem Ergebnis war ich mir sicher, muss auch ich nie wieder den Spritzen- und Punktionsweg gehen. Doch schon am nächsten Tag folgte der harte Aufschlag auf den Boden der Tatsachen. 22 Eizellen waren reif, nur 6 davon konnten befruchtet werden. 6 von ursprünglich 22. Wir verstanden es nicht. Wie kann das sein? Was ist mit den anderen Eizellen passiert? So richtig beantworten konnte uns das niemand. Es wurde immer auf das TESE-Material geschoben. Aber es hatte doch eine so gute Qualität… .  Ich bekam 2 Eizellen eingesetzt, die anderen 4 wurden direkt nach Befruchtung eingefroren. Bis kurz vor dem Bluttest blieben wir trotz der schlechten Befruchtungsrate positiv. Doch dann bekam ich plötzlich Blutungen und wusste, dass es nicht geklappt hatte. Der BT bestätigte das negativ.

Im Januar 2015 ließ ich eine Gebärmutterspiegelung durchführen um innere Hindernisse der Einnistung auszuschließen. Der Befund war unauffällig.

Im März 2015 erfolgte der erste Kryo-Versuch und damit verbunden der nächste Niederschlag. Eine befruchtete Eizelle war nicht erwacht. So folgte ein Single-Transfer. Wieder deuteten Blutungen schon vor dem BT auf ein negatives Ergebnis hin. Und so kam es auch.

Im Mai der nächste Kryo-Versuch und wieder war eine recht schlecht entwickelte Eizelle dabei. Der Ausgang war wie bisher – Blutungen und ein negativer BT.

Weitere Untersuchungen und Klinikwechsel / 2. ICSI

Auch ohne Empfehlung unserer Kinderwunschklinik, vereinbarte ich parallel zu den Behandlungen einen Termin bei Frau Dr. Graf in Leipzig. Sie untersuchte mittels Blutabnahme verschiedene Parameter bei meinem Mann und mir (Gerinnung, Immunität, etc.). So hatte man zumindest das Gefühl, dass man selbst etwas tun und ggf. verändern kann.

In unserer bisherigen Kinderwunschklinik fühlten wir uns nach und nach nicht mehr zu 100% wohl und dachten immer mehr über einen Wechsel nach. Wieder recherchierte ich viel im Internet. Am meisten hatte es mir die Klinik angetan, an der auch Prof. Dr. Schulze inzwischen arbeitete (das Fertility Center Hamburg). Im Internet wurde immer wieder davon berichtet, dass man bei dem Umgang mit TESE-Material gut ausgebildete Biologen benötigt und eben diese beim FCH von Herrn Schulze geschult werden. Wir meldeten uns zu einem Infoabend im Juli 2015 an und vereinbarten gleichzeitig einen Termin für ein persönliches Gespräch mit einem der Ärzte vom FCH.

Die Eindrücke waren mit unserer bisherigen Klinik in keinster Weise zu vergleichen. Das FCH ist eine wirklich sehr moderne, freundliche und professionelle Klinik. Wir waren begeistert und als der Arzt uns bzgl. der Entfernung und dem Ablauf beruhigte und erklärte wie wir das handhaben können, bestand für uns keinerlei Zweifel mehr. Wir ließen uns alle Unterlagen unserer bisherigen Kiwu-Klinik aushändigen, transportierten das TESE-Material zurück nach Hamburg und waren ab sofort Patienten des FCH. Eine der wichtigsten und wertvollsten Entscheidungen auf unserem Kiwu-Weg.

Frau Dr. Graf teilte uns zwischenzeitlich mit, dass mein Immunsystem etwas zu stark gegen den Embryo ankämpfen würde und sie bei den folgenden Versuchen die Einnahme von Cortison empfiehlt.

Im September 2015 folgte dann der erste ICSI-Versuch in unserer neuen Kiwu. Es gab neue Medikamente und ein neues Stimulationsprotokoll. Die Kontrolltermine (Follikelwachstum, Gebärmutterschleimhaut) konnte ich bei meinem Gynäkologen vor Ort durchführen und so lief alles recht reibungslos und sogar noch stressfreier als „früher“ ab. Zur Punktion reisten wir wieder nach Hamburg. Dieses Mal bequem mit der Bahn.

11 Eizellen wurden entnommen, 8 davon waren reif, 4 konnten befruchtet werden. Die höhere Befruchtungsrate war für uns ein Erfolg, das Ergebnis dennoch mager und beängstigend. Am Transfertag erhielt ich 2 Embryonen zurück. 1 weitere blieb in der Entwicklung stehen und die andere war zum Einfrieren nicht geeignet. Der Bluttest fiel leider wieder negativ aus.

Pimp my eggs als Erfolgsrezept

Die Zeit war sehr hart und die Ungewissheit, ob wir jemals Babys haben werden, tat unfassbar weh. Unsere Gedanken und Gefühle lassen sich kaum in Worte fassen. Um nicht ganz allein mit allem zu sein, tauschte ich mich über unterschiedliche mediale Plattformen mit Gleichgesinnten aus und kam so schließlich auch zu meiner lieben kiwu.journey. Auch sie ließ sich mit den bisherigen negativen Ergebnissen nicht „abfertigen“ und recherchierte selbst, welche Möglichkeiten es gibt um einem Wunschkind näher zu kommen.

So berichtete sie nach und nach von Möglichkeiten die Eizellqualität zu verbessern. Ich fand das sehr interessant und schlüssig. Also folgte ich ihrem Rezept „pimp my eggs“  (Link zum Rezept) und nahm ab sofort verschiedene Vitamine ein. Außerdem achtete ich auf eine ausreichende Trinkmenge, gesündere Ernährung und begann mit der regelmäßigen Einnahme von Clavella (Amazon Partnerlink). Ein Nahrungsergänzungsmittel empfohlen für PCO-Frauen. Da dieser Verdacht immer wieder bei mir im Raum stand, mein natürlicher Zyklus sehr unregelmäßig und meine Haut sehr schlecht waren, entschied ich mich auch für diese Einnahme.

Dann stand unsere 3. ICSI an. Die letzte von der Krankenkasse übernommene Chance auf ein Baby. Bei einem weiteren Misserfolg wären wir Selbstzahler und müssten aus Kostengründen wohl ins Ausland wechseln. Es war ein absolutes Rad in dem wir uns befunden. Bisher lief es alles andere als optimal. Wir waren demnach also alles andere als positiv gestimmt. Unversucht wollten wir es aber nicht lassen. Der Wunsch und die Sehnsucht nach einem eigenen Baby war einfach zu groß.

3. ICSI mit Eileiterschwangerschaft

Erst im April 2016 wagten wir uns an einen erneuten Versuch. Dieses Mal auch noch zusätzlich mit alternativen Mitteln à Bryophyllum (weitere Infos zu Bryophyllum)  und Calcium carbonicum. Es konnten 13 Eizellen entnommen werden. 12 davon waren reif, 5 ließen sich befruchten. Ein Rückschlag in der Befruchtungsrate. Warum nur? Das Ergebnis war mir von vornherein klar. Waren die Ausgangspunkte den vorausgegangenen Versuchen doch zu ähnlich. Dann folgte wie gewohnt der Anruf nach dem BT aus dem FCH. Der HCG-Wert (Schwangerschaftshormon) war bei 3 – nicht schwanger, aber dennoch muss der Wert überwacht werden bis er unter 1 fällt. Für mich war der Versuch erledigt. Ich steckte keinerlei Hoffnung in irgendwas und überlegte in der Zwischenzeit wie es weiter geht.

Das Schicksal hatte bereits eigene Pläne und so ergab der zweite BT einen HCG-Anstieg auf 93 und ich hielt zum ersten Mal in meinem Leben einen positiven SS-Test in der Hand. Wenngleich ich auch wusste, dass dies keine intakte SS sei. Der Wert wurde weiter überwacht und da auch in den darauffolgenden Tagen kein Abfallen erkennbar wurde, musste ich mich im Krankenhaus vorstellen. Der HCG war inzwischen bei 2.000, im Ultraschall war allerdings nichts erkennbar. Verdacht: Eileiterschwangerschaft.

Sollte sich ein kleiner Embryo wirklich zu einem Baby entwickeln wollen, nur eben an der falschen Stelle? Auch wenn es ziemlich blöd klingt, ich sah es zum damaligen Zeitpunkt als erstes positives Zeichen. Es gab mir neuen Auftrieb wieder positiv zu denken und gab mir den Glauben an ein eigenes Baby zurück.

Genau 4 Wochen nach dem Transfer der Embryonen folgte eine Bauchspiegelung und die operative Entfernung des Gewebes im Eileiter. Die positive Energie war nach der OP wieder verflogen und ich fiel in ein Loch. Ich weinte um mein verlorenes Baby und fragte mich warum wir diesen harten Weg gehen müssen. Warum diese kleine Seele nicht bei uns bleiben durfte.

Durch die Bestätigung einer nicht intakten Schwangerschaft durften wir den Versuch auf anteilige Kostenübernahme der Krankenkasse wiederholen.

Die Pimp my eggs-Vitamine nahm ich weiterhin ein, denn sie waren für mich ein Teil des „Erfolges“ im letzten Versuch. Wir hatten zum ersten Mal einen weiterentwickelten Embryo – unser kleines Sternenkind.

4. ICSI

ICSI 4 folgte also im August 2016. Dank höherer Stimulation konnten 17 Eizellen entnommen werden. Am nächsten Tag folgte dann wie gewohnt der Anruf des Arztes bzgl. der Befruchtungsrate. Für mich immer wieder ein Moment, voller Panik vor der Mitteilung einer Nullbefruchtung. Und dieses Mal? Dieses Mal teilte uns der Arzt eine unglaubliche Rate von 12 befruchteten Eizellen mit. 12! Ich konnte es nicht fassen und musste noch einmal nachfragen. Doch damit nicht genug. Am Tag des Transfers waren alle 4 Embryonen (die anderen 8 wurden direkt eingefroren) noch im Rennen und die 2, welche ich jetzt nicht eingesetzt bekommen sollte, sogar in einer solch guten Qualität, dass sei nachträglich eingefroren werden konnten. Das war unser mit Abstand allerbester Versuch. Wir waren voller Glück, Auftrieb und Hoffnung.

Zurück in der Realität fiel der BT wenige Tage später negativ aus. Wiedermal.

3. Kryo mit positivem Schwangerschaftstest

Die super Rate und die kleinen Flocken im Eis schenkten uns dennoch positive Gedanken. Und so entschlossen wir einen letzten Versuch für das Jahr 2016 durchzuführen. Ich reiste Ende November also alleine nach Hamburg (mein Mann konnte beruflich bedingt nicht mit) und holte die 2 nachträglich eingefrorenen Flocken nach Hause.

Die Ungeduld war wieder mal groß und so entschied ich mich dieses Mal für eine Testreihe. Knapp 10 Tage nach Transfer war der Test „blütenweiß“ wie man immer so schön hört. Das Jahr 2016 würde also wieder einmal genau so enden wie auch die Jahre zuvor, ohne positiven SS-Test – ohne die Hoffnung auf ein Baby.

Aber als Kiwu-Frau hört man ja mit diesen Testreihen nicht auf, nein man testet weiter und hofft das da doch noch eine zweite Linie auf dem blöden Test erscheint. Tja und dann? Dann erschien da wirklich ein Hauch von Hauch von Linie. Einbildung? Das kann doch nicht sein. Das Testen ging also weiter und schon am nächsten Tag wurde die Linie stärker. Meinem Mann erzählte ich noch nichts davon. Ich konnte es ja selbst nicht glauben.

14 Tage nach Transfer dann der Anruf aus Hamburg, gefolgt von Worten auf die ich bis dahin über 4 Jahre gewartet und gehofft hatte: „Herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger“. Unfassbar.

Als mein Mann von der Arbeit kam überraschte ich ihn mit dem positiven Test. Auch er konnte es nicht glauben und fragte mich immer wieder ob das sicher sei und ob es wirklich so ist. Das Glück, die Dankbarkeit und die Liebe zu unserem Kind lassen sich jetzt schon nicht in Worte fassen. Wir können es kaum erwarten es in wenigen Tagen endlich im Arm zu halten. 5 Jahre nach Absetzen der Pille und nach 5 langen Kiwu-Jahren.


 

 

 

 

 

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