Schwanger werden ueber 40

Kinderwunsch Unplugged: „Die Uhr tickt unerbittlich, und man schämt sich fast, den Rat eines Gynäkologen einzuholen“

In der Reihe Kinderwunsch Unplugged führt Wegweiser Kinderwunsch Interviews mit Frauen und Männern, die vom unerfüllten Kinderwunsch betroffen sind. Hier hier werden Themen angesprochen, die meistens tabu sind. Du bist auf deinem Kinderwunsch-Weg mit allen seinen Sorgen, Ängsten und Nöten nicht alleine.


Heute im Interview: Alicia, 45 Jahre, eine Fehlgeburt

Alicia ist Mitte 40 und wünscht sich, seit sie denken kann, eine große Familie mit eigenen Kindern. Lange hat der richtige Partner dazu gefehlt. Nun hat sie den Mann fürs Leben gefunden, aber eine dauerhafte Schwangerschaft möchte sich nicht einstellen. Eine starke Belastung, die sie leider hauptsächlich alleine mit sich ausmachen muss. Alicia verrät uns außerdem, was für Frauen über 40 wichtig ist, um schwanger zu werden und was man bei der Ursachenforschung unbedingt beachten sollte.

 

Wegweiser Kinderwunsch:
Wer bist Du? Erzähle uns ein wenig über dich selbst.

Alicia:

Hallo. Ich möchte mich hier Alicia nennen, da ich aus bestimmten Gründen gern anonym bleiben möchte. Ich lebe in einer österreichischen Stadt und arbeite im Medienbereich, im Verkauf.
Mit meinem Partner bin ich seit 3 Jahren zusammen, vor einem Jahr haben wir unsere Haushalte zusammengelegt 🙂
Da ich ihn erst sehr spät kennengelernt habe (mit 42), bin ich jetzt schon in einem Alter, in dem das Kinderkriegen wirklich schwierig wird.

Wegweiser Kinderwunsch:
Was hast Du auf Deinem Kinderwunsch-Weg alles erlebt?

Alicia: 

Als ich noch ein kleines Mädchen war, träumte ich davon, einmal ganz viele Kinder zu haben. Ich bin als Einzelkind aufgewachsen und wollte es natürlich ganz anders machen als meine Eltern…. idealerweise ich zu Hause bei den Kindern, der Mann geht arbeiten….auch wenn das damals schon nicht mehr als erstrebenswert galt.

Meine Mutter hatte einen harten Job, und wenn sie total erschöpft nach Hause kam, musste sie sich erst einmal ausruhen, während ich nur darauf gewartet hatte, dass sie sich mit mir beschäftigen würde. Ich hatte mir geschworen, meine Kinder sollten eine Mutter haben, die sich Zeit nehmen kann.

Tja…den richtigen Mann um eine Familie zu gründen, habe ich dann nie gefunden. Ich lebte teilweise in Langzeitbeziehungen, aber den Männern war es meist immer „zu früh“ oder sie hatten gar kein Interesse. Leider hatte ich mir auch immer Männer ausgesucht, die jünger waren als ich.Heute hat mindestens ein Expartner, der einige Jahre jünger ist als ich, bereits ein Kind.

Als meine letzte Ex-Beziehung scheiterte, war ich bereits 42. Er hatte sich zwar ein Kind gewünscht, aber es hatte einfach nicht geklappt. Aber die Beziehung war ohnehin nicht gut gewesen.

So, sagte ich mir. Ich bin jetzt über 40 – welche Möglichkeiten habe ich jetzt noch?

Einen Partner herzaubern, das ging wohl schlecht. Also suchte ich im Internet nach Einträgen über das sogenannte „Co-Parenting“. Ich war bereit, einen Mann zu finden, der sich ebenfalls ein Kind wünschte, aber nicht zwingend eine Beziehung daraus entstehen musste. Während ich mich also eher auf diese Alternative konzentrierte, schneite unerwartet mein neuer Partner in mein Leben hinein. Freunde haben uns verkuppelt. Wir haben uns sofort ineinander verliebt.

Verhütung war ihm wichtig, da er erst in etwa in einem Jahr über den Kinderwunsch nachdenken wollte.

Auch wenn wir nicht mehr zu den Jüngsten gehörten. Erst mal die Liebe geniessen…. ich nahm keine Pille ein. Wir praktizierten Coitus Interruptus an den „gefährlichen“ Tagen. Dann hatten wir einmal bis zum 9. oder 10. Zyklustag nicht aufgepasst, und peng! Ich war schwanger. Wir waren noch nicht einmal 3 Monate ein Paar.

Die Periode war schon seit zwei Wochen überfällig, was ich schlichtweg ignorierte – ich musste zu der Zeit wegen einer eitrigen Zahnwurzelentzündung operiert werden und schluckte Unmengen an Antibiotika und Schmerzmitteln. Ich hatte Angst, schwanger zu sein. Bei so viel Chemie könnte das nicht gut gehen. Leider behielt ich recht. Als ich dann doch einen positiven Test in der Hand hatte, setzten die Blutungen ein. Ich war abgrundtief verzweifelt.

Nach der Fehlgeburt wollte mein Partner erst recht nicht, dass sich „so etwas“ gleich wiederhole. Ein Jahr sollten wir weiter verhüten ;-(

Auch wenn er das Kind und die Vaterrolle angenommen hätte. Aber er musste diese Tragödie schon zweimal vorher erleben, mit seiner früheren Partnerin. (Deshalb hat er auch noch kein Kind)

Ich glaube, es war für ihn genauso ein Schock wie für mich. Nur hat er nie viele Worte darum gemacht. Er verschliesst sich dem Thema eigentlich bis heute. Auch wenn wir mittlerweise längst nicht mehr verhüten.

Was ich als erstes nach der Fehlgeburt getan hatte, war, meine Schilddrüsenwerte checken zu lassen. Ich hatte vor vielen Jahren Morbus Basedow gehabt, aber war seit langem nicht mehr in Behandlung.

Das war der Beginn einer langen Odyssee.

Mein TSH Wert befand sich bei 4-“irgendwas“ laut Ärzten noch im Referenzbereich. Dass bei Kinderwunsch der TSH Wert um die 1 liegen soll, schien ihnen nicht eindeutig genug nachgewiesen zu sein. Ich wurde nicht weiter behandelt und man riet mir nur, Selen als Nahrungmittelergänzung einzunehmen.

Vor einem Jahr dann hatte ich wahrscheinlich die zweite Fehlgeburt. Die Periode kam nicht wirklich sehr spät, aber die Blutungen waren fast so heftig wie beim ersten Mal….danach bekam ich 7 Wochen lang keine Mens und ich hatte keinen Eisprung.

Ich litt an Kreislaufstörungen, mein Körper war total durcheinander. Also nochmal der Gang zum Arzt, nochmals Blutwerte untersuchen lassen. Mein TSH Wert war mittlerweile fast auf 7 gestiegen. Diesmal nahm man mich ernst und ich bekam Thyrex verschrieben. Erst ein halbes Jahr später fand man anhand eines Routine-Checks heraus, dass ich nun eine Hashimoto-Thyreoiditis entwickelt habe. Worauf erst kein Verdacht gefallen war, da ich ja früher Basedow Patientin gewesen bin – das sind zwei verschiedene Autoimmunerkrankungen, und es kommt selten vor, dass man nach dem einen Extrem später das andere entwickelt.
Meine Thyrex Dosis wurde auf 75 mg täglich erhöht, aber immer noch schwankt mein Wert zwischen 1,5 und 3 und mein Hausarzt und mein Endokrinologe sind sich einig, dass dies „ausreichend gut sei“ und wollen die Dosis auf keinen Fall weiter erhöhen.
Mittlerweile bin ich auch bei einer Wahlärztin in Behandlung, die TCM macht. Sie gibt mir Tipps, wie ich die Thyrex-Dosis richtig einstellen soll und verschreibt mir auch mal ein extra Rezept. Jedes Monat lasse ich bei ihr Akupunktur machen und sie verschreibt mir chinesische Kräutertees. Meine Werte, die sie anhand von Zungen- und Pulsdiagnotik misst, sind deutlich besser geworden. Aber schwanger bin ich noch immer nicht. Da ich mir sehr gerne nützliche Infos aus dem Internet hole, las ich die Empfehlung für reifere Frauen, dass durch die Gabe von mehreren Ergänzungsmitteln die älteren und schwachen Eier wieder fitter gemacht werden können.

Also nehme ich seit drei Monaten nun DHEA, Omega 3 Kapseln, Ubiquinol, L-Arginin, Vitamin D, Folsäure, Selen und Zink ein.

 

Ein Speicheltest hat übrigens ergeben, dass mein Östrogenwert im Normalbereich liegt, aber der Estriol- und Progesteronspiegel zu niedrig ist. Also verwende ich auch eine Progesteroncreme in der zweiten Zyklushälfte.

Was ich als nächstes tun werde, ist den Rat eines Immunologen einzuholen. Gerade bei Frauen mit Autoimmunerekrankungen der Schilddrüse sind oft auch die natürlichen Killerzellen erhöht. Das erschwert die Einnistung und führt oft zu Fehlgeburten. E in Gefühl sagt mir, dass hier der Hund begraben sein muss. Meine Autoimmunerkrankungen und die ständig erhöhten Entzündungswerte im Blut sprechen doch eine deutliche Sprache.

Wegweiser Kinderwunsch:
Was sind für dich die größten Herausforderungen und Probleme in Bezug auf den unerfüllten Kinderwunsch?

Alicia:

Mein grösstes Problem ist, dass der Partner nicht wirklich mitzieht. Er lebt ganz gut ohne Kind und von ihm aus kann das auch so bleiben. Er ist zwar nicht grundsätzlich dagegen – als ich damals schwanger war, da wars für ihn ok – aber er unterstützt mich nicht extra in diesem Wunsch. Nach ein paar mühseligen Versuchen, ihn für das Thema Kind zu begeistern, habe ich resigniert aufgegeben. Ich verfolge das Ziel allein, im Grunde bekommt er überhaupt nichts davon mit.

Er weiss, dass wir nicht verhüten, sollte also wirklich jederzeit auf Nachwuchs gefasst sein. Da ich stark annehme, dass das Problem bei mir liegt und nicht an ihm, muss ich das alles alleine in die Hand nehmen.

Es gibt viele Momente, wo mir wünschte, wir könnten das alles teilen – die Hoffnung, die Vorfreude, aber auch die Trauer – aber ich fühle mich da einfach mehr oder weniger in Stich gelassen. Er hat da eine hohe Mauer um sich errichtet, und obwohl ich sonst über alles mit ihm reden kann und auch vernünftig – hier finde ich keine Resonanz. Und das ist bitter.

Für ihn ist das Thema nach insgesamt drei Fehlversuchen (nachdem seine Ex auch zwei Fehlgeburten hatte) wohl abgeschlossen. Außerdem hatte er eine schwierige Kindheit und ist ohne Vaterfigur aufgewachsen. Einmal sagte er zu mir: „Wenn es nur darum ginge, dir eine Riesenfreude zu machen, sehr gerne würde ich dir den Wunsch erfüllen. Aber ich müsste dann auch ein Vater sein. Kann ich das überhaupt? Ich weiss nicht, ob ich mir das extra wünschen will“. Weil es hier wohl schwerlich einen Kompromiss gibt, lassen wir es einfach so laufen. Wenn das Schicksal uns eine neue Chance schenkt und diesmal alles gutgeht, dann werden wir eine sehr liebevolle Familie sein. Ich weiß es einfach.

Der zweite problematische Punkt ist mein Alter. Deshalb erfahre ich von den Ärzten eher wenig Unterstützung in Sachen Kinderwunsch. Das Problem mit dem nicht schwanger werden können wird natürlich ursächlich auf mein Alter geschoben, und ich solle mich eher damit abfinden dass es wohl nicht mehr klappt. Ich habe mich schon grün und schwarz geärgert.

Natürlich ist das Alter ein nicht zu unterschätzender Faktor, da bin ich realistisch genug. Aber ich habe regelmäßige Perioden und Eisprünge. Und: auch bei älteren Frauen kann es andere Störungen geben, die mit dem Alter nichts zu tun haben.

Kiwu mit 45

Leider. Einen Kinderwunsch sollte eine reifere Frau wirklich nicht haben, wenn sie gesundheitliche Probleme hat und den Rat eines Arztes braucht. Die Uhr tickt unerbittlich, und man schämt sich fast, den Rat eines Gynäkologen einzuholen, oder in eine Kiwu-Klinik zu gehen, aus Angst, wegen des „eigentlich nicht mehr gebärfähigen Alters“ in die Schranken gewiesen zu werden.

Natürlich spielt auch der finanzielle Faktor eine Rolle. Bei einer Frau ab 40 werden die Kinderwunschbehandlungen nicht mehr von der Kasse übernommen, es gibt keine Bezuschussung mehr.

 

Wegweiser Kinderwunsch:
Gab es für dich einen persönlichen Tiefpunkt und wie hast du ihn überwunden?

Alicia:

Ich war 37 und eine gefühlte Ewigkeit Single, als meine beste Freundin mir freudestrahlend ihren neuen Mutter-Kind Pass unter die Nase hielt. Ich stand da wie vom Donner geführt, fand es natürlich schön für sie, aber ich konnte meine Tränen nicht zurückhalten. Ich hätte ihr gratulieren sollen, stattdessen heulte ich wie ein Schlosshund, sie war gerade erst 30 und wir hatten so viel zusammen gemacht, waren früher unzählige Male zusammen um die Häuser gezogen. Auf einen Schlag war alles anders. Ihr Leben würde sich komplett ändern, und ich blieb alleine zurück mit meiner Trauer und meiner Verzweiflung, dass mir so etwas wohl nie passieren würde.

Den zweiten Tiefpunkt, als ich wirklich fast ins Bodenlose fiel, den hatte ich nach der Fehlgeburt. Man stelle sich dieses Gefühl vor, endlich hält man einen positiven Test in den Händen, und im selben Moment weiß man, dass es kein Grund zur Freude ist, weil man alles wieder verlieren wird.

Ich hatte die zwei Wochen Überfälligkeit ignoriert, und dann, als sich langsam ein warmes Gefühl der Freude, des Wissens, es ist etwas Großartiges passiert, in mir breit macht, habe ich auf einmal Blut auf dem Klopapier… erst dann wollte ich es wissen… dieses Chaos…ich bin schwanger…aber ich BLUTE – der fassungslose Gesichtsausdruck meines Freundes, dem diese Nachricht, dass er VATER wird, momentan einem Erdbeben gleichkommt…und ich in meiner Panik, dass wir diese Freude wohl nicht erleben werden…ich habe von Anbeginn wohl gewusst, dass ich schwanger bin, habe das aber bewusst verdrängt, weil etwas in mir sagte, dass es nicht gutgehen würde.
Mein Schatz hat mich ganz lieb in den Arm genommen und gesagt „das passt schon, wir schaffen das gemeinsam“. Einen Funken Hoffnung hatte ich noch, als ich ins Krankenhaus fuhr und man eine winzige Fruchthöhle erkennen konnte, aber ohne Inhalt. Sie meinten, ich sei noch nicht soweit, die Schwangerschaft müsse später eingetreten sein, weil die Entwicklung nicht zeitgemäss sei. Die Blutung wurde dann weniger, fing aber bald wieder an.
Als ich ein paar Tage später wieder zur Kontrolle ging, war keine Fruchthöhle mehr da….Es war ein Albtraum, von dem ich dachte, so etwas passiert nur ganz selten, und so etwas lasse ich in meinem Leben erst gar nicht zu. Eine Ausschabung blieb mir zum Glück erspart.

Ein Jahr lang, jeden Monat, immer um den 20. herum – dem Tag der Fehlgeburt – bekam ich schreckliche Heulkrämpfe. Irgendwann ist es besser geworden, und heute habe ich die Trauerarbeit überwunden, aber die Wehmut über „das was gewesen sein könnte“ wird für immer in meinem Herzen bleiben.

Wegweiser Kinderwunsch: 

Was gibt dir sonst noch Kraft und Mut auf deinem Weg?

Alicia:

Über Internet-Foren habe ich sehr viel Trost und Rückhalt erfahren. Ich trat in Kontakt mit Frauen, die ebenfalls eine oder mehrere Fehlgeburten erlitten hatten. Hier erfuhr ich durch verschiedene Leidenswege, welche gesundheitlichen Hintergründe es geben kann und auch über verschiedene Behandlungsmöglichkeiten.

Jetzt bin ich in einer ganz lieben Gruppe, die sich „Kinderwunsch und Schwanger über 40“ nennt. Hier gibt es keine blöden Sprüche wegen des Alters, nur Frauen und Mütter, die sich austauschen über alles was Frauen, die im späten Alter noch Mutter werden wollen, bewegt.

Kraft gibt mir auch die Natur. Ich liebe lange Spaziergänge, kleine Urlaubsreisen mit meinem Partner, ein gutes Eis genießen. Unsere Beziehung ist harmonisch, wir streiten so gut wie nie, und lassen einander auch Freiräume.

Eigentlich könnte im Moment alles gut sein wie es ist und ich würde mich einfach an den kleinen Dingen erfreuen, mit der Aussicht, dass dann auch mal ein Kind zu uns kommen würde. Aber ich kann so schwer abschalten und einfach entspannt sein wegen des verflixten Ablaufdatums mit dem Alter. So muss ich eben tun und machen was geht, nach Ursachen forschen, weitere Tests veranlassen (ich lege einige Hoffnung in die Immunologie, wofür ich leider selbst in die Tasche greifen muss- aber solange es sich ausgeht, scheue ich die Kosten nicht).

Schlimmstenfalls, wenn ich dann all das durch bin, die richtigen Behandlungen erhalte und es dennoch nicht mehr sein soll – dann könnte ich wenigstens sagen, ich habe alles getan was in meiner Macht lag, ich habe nicht durch ein Versäumnis eine mögliche Chance ausgelassen.

Man kann im Leben nichts erzwingen, nur so gut es geht, alle Hindernisse beseitigen, die einem Ziel im Wege stehen.

 

Wegweiser Kinderwunsch: 
Wie offen gehst Du mit dem unerfüllten Kinderwunsch um?

Alicia:

Es ist mir eher peinlich, über den Kinderwunsch zu sprechen. Ganz wenige Freundinnen und Kolleginnen wissen darüber Bescheid. Jene, die nicht mit Vorurteilen kommen gegenüber Frauen, die im späten Alter noch ein Kind haben möchten. Es gibt unglaublich viele, die da ihren Senf dazugeben müssen.

Dazu möchte ich nur eines sagen: Nein, es sind nicht nur karrierebesessene Frauen, die ihren Kinderwunsch ewig vor sich hergeschoben haben und nun auf den letzten Drücker unbedingt ein Kind wollen.

Sehr oft fehlte einfach der richtige Partner. Oder man konnte mit dem früheren Partner keine Kinder bekommen. Haben jene, die von dem Glück begünstigt waren, in jungen Jahren Mutter werden zu dürfen, ein Recht darauf zu urteilen über andere, deren Lebenswege komplett anders verlaufen sind?

Es ist doch jedem sein eigenes Leben – und jeder trägt selbst die Verantwortung dafür. Nein, ich persönlich finde nicht, dass man mit 40 plus zu alt ist für ein Kind. Das Argument, man könnte früh sterben bevor das Kind das Erwachsenenalter erreicht hat, ist heute überholt. Wichtig ist, dass man sich fit genug fühlt und in sich hineinhorcht, ob man den Aufgaben auch gewachsen sein wird.

 

Meine Schwiegermutter weiss, dass ich für den Kinderwunsch einiges tue. Sie wünscht sich auch sehnlichst ein Enkelkind. Vier Kinder hat sie grossgezogen, aber nicht eines von ihnen hat ihr einen Enkel geschenkt.

Ansonsten spreche ich nicht darüber. Meine Mutter hält sich da auch sehr zurück – sie findet eher, ich solle mein Leben leben und dankbar sein, endlich einen passenden Partner gefunden zu haben. Ein Kind würde viel Sorgen und Arbeit machen. Will ich mir das wirklich aufhalsen? Oh wie nett – und das von der eigenen Mutter ;-((

Wegweiser Kinderwunsch:
Wurdest Du in Bezug auf den Kinderwunsch mit unsensiblen Fragen oder gut gemeinten Ratschlägen konfrontiert? Kannst Du uns ein Beispiel nennen und sagen, wie du damit umgegangen bist.

Alicia: 

 

Wieviele haben schon diesen Satz gehört „wer weiss wofür es gut ist“. Dieser vielleicht gutgemeinte Ratschlag ist kein Trost, sondern ein Hohn in den Ohren einer verzweifelten Frau, die gerade ein Kind verloren hat, und nicht weiss, ob sie jemals wieder eines bekommen wird.

Es gibt nichts, ´wofür es gut sein soll´. Ein Verlust ist ein Verlust und wird immer einer bleiben. Desselbe gilt für den Verlust einer Hoffnung, eines Traums, den man jahrelang gehegt hat.

Frauen – Mütter – die mich beneiden, weil ich mir mein Leben so gestalten kann wie ich es will, ohne ständigen Anhang, ohne finanzielle Belastungen, und ohne meine eigenen Bedürfnisse zurückstecken zu müssen – sie wissen nicht, wie sie sich in meiner Situation gefühlt hätten.

 Eine Freundin meint, ich solle mich nicht so stressen, sondern entspannt bleiben, dann würde es schon klappen. Relativ entspannt war ich allerdings schon lange genug. Wenn nach fast zwei Jahren ohne jede Verhütung, und Sex zum richtigen Zeitpunkt, nichts mehr passiert ist, dann ist es nötig, einer Ursache auf den Grund zu gehen.

Man sagt, Stress ist Gift für den Körper, besonders bei Autoimmunerkrankungen. Ich arbeite auch in einem sehr belastenden Umfeld, und ein Jobwechsel, über den ich schon lange nachdenke, wäre ein längst überfälliger Schritt.

Wegweiser Kinderwunsch:
Gibt es für dich einen Plan B?

Alicia:

Eine Alternative wie die Adoption kann ich mir erstens nicht vorstellen, weil ich mich langsam an die Aufgabe des Mutter-Seins herantasten müsste. Dazu müsste ich das Kind inmir heranwachsen spüren, etc….ich habe ein etwas distanziertes Verhältnis zu Kindern. Eine Berührungsangst. Mag sein, dass es reiner Selbstschutz ist. Weil ich so meine eigene Kinderlosigkeit noch eher ertragen kann.

Und ganz abgesehen von all dem, bekäme ich in meinem Alter kein Adoptivkind mehr. Ohne die Zustimmung des Partners geht ja sowieso nichts. Das gilt auch für die Eizellenspende.

Wenn also diese letzten Bemühungen (Immunologie, Genetik und die daraus resultierenden Behandlungen) nicht fruchten – dann ist es für mich das Ende dieses Weges.

Es gibt mit Sicherheit auch ein Leben ohne Kind, aber im Moment mag ich mir das nicht vorstellen.

Wenn ich Geld hätte und jobmässig ungebunden wäre, dann würde ich alternativ viel reisen, andere Länder und Kulturen kennenlernen. Wenn man aber in ein fixes Dienstverhältnis eingebunden ist , dann sind die 4-5 Wochen Urlaub im Jahr ein viel zu mickriges Zeitfenster, wo man sehr ausgedehnte Ausflüge und Reisen nicht unternehmen kann.

 So bleibt mir im Moment nur die Hoffnung, die lebt, solange ich Perioden und Eisprünge habe.

 

Wegweiser Kinderwunsch:
Möchtest Du den Lesern sonst noch etwas mit auf den Weg geben? 

Alicia:

Von meiner Warte aus betrachtet, ich würde jeder Frau, die schon eine Fehlgeburt hatte und die noch nicht Mutter ist, empfehlen, sich auf Gerinnungsstörungen, APS, erhöhte Killerzellen oder eine MTHFR-Genmutation untersuchen zu lassen. Vorausgesetzt, der FA hat bereits alle anderen Risikofaktoren, z.B. Endometriose, abgeklärt. Leider ist man dabei Selbstzahler; erst nach der dritten Fehlgeburt werden die Kosten von der Kasse übernommen.

Fehlgeburten kommen realtiv häufig vor (ca. jede siebente Schwangerschaft, und während der Einnistungszeit noch häufiger) aber nur bei etwa 50 Prozent der Aborte war der Embryo nicht in Ordnung. Ganz besonders rate ich die Untersuchungen jenen, die an einer Autoimmunkrankheit leiden. Man muss oft ein bisschen kämpfen und suchen, bis man den richtigen Arzt findet, der einem weiterhilft.

Die MTHFR-Genmutation bewirkt, dass der Körper nicht ausreichend die synthetische Folsäure (Folic Acid) in die bioaktive Folsäure umwandeln kann. Der Körper bleibt im Defizit, und auch das Baby wird nicht ausreichend mit der so wichtigen Folsäure versorgt. Es gibt hier einen Zusammenhang mit gehäuften Fehlgeburten. Um die Zusammenhänge besser zu verstehen, kann man das googeln, und besonders englischsprachige Seiten sind hier sehr aufschlussreich.

Angeblich – und das hat mich sehr schockiert – sind etwa 40 Prozent aller Menschen von einer MTHFR Genmutation betroffen. Wer extra Folsäure einnimmt, kann hier die herkömmliche durch die bioaktive Variante ersetzen. Super Tipps sind hier auch unter Pimp my eggs etc. zu finden.

Und Maca regt die männliche Spermienproduktion an ;-))

Zu guter Letzt möchte ich den Lesern noch eines mit auf den Weg geben:

Vertraut nicht alleine auf die Meinung von Ärzten (ausgenommen ihr seid bereits in guten Händen in einem KIWU Zentrum), macht euch auf die Suche im Internet, in Foren, tauscht euch mit Betroffenen aus, recherchiert. Besonders Kassenärzte haben nur begrenzte Zeit und Möglichkeiten, sich eingehend mit dem Problem eines Patienten zu befassen (Ein unerfüllter Kinderwunsch ist nämlich keine Krankheit, die dringend behandelt werden muss!!)

Viel Kraft alles Gute auf euren Wegen!

Wegweiser Kinderwunsch:
Vielen Dank Alicia, dass du uns so offen von deinem persönlichen Weg erzählt hast. Besonders wertvoll sind die vielen Tipps, die bei der Suche nach den Ursachen helfen können. Insbesondere Frauen über 40 können bestimmt von deinen Erfahrungen profitieren. Auf deinem weiteren Weg alles Gute und ganz viel Glück!

Gerne können die Leser hier einen Kommentar für Alicia hinterlassen (auf der Seite ganz unten).

3 Kommentare
  1. eva
    eva says:

    Du sprichst mir aus der Seele, ich bin 47 und ich sehne mich schon seit Jahren nach einen Kind, leider ist mein guter Frauenarzt der meinen Wunsch kann früh in Rente gegangen und ich miússte mir einen Neuen suchen was sich schwierig erwies. Jetzt habe ich einen guten gefunden und mir rinnt die Zeit durch die Finger. Und es fängt an mich seelisch zu belasten…

    Antworten
    • Claudia
      Claudia says:

      Liebe Eva,
      ich würde dir empfehlen, den Besuch einer Kinderwunsch-Klinik in Betracht zu ziehen.
      Die Ärzte sind dort spezialisiert, du wirst gründlich untersucht und beraten.
      Da du bei einer künstlichen Befruchtung Selbstzahler wärst, kommt dabei vielleicht auch das Ausland in Frage.
      Ich wünsche dir ganz viel Glück.
      Claudia

      Antworten
  2. Claudia
    Claudia says:

    Hallo Ihr lieben,

    nach unzähligen Odysseen (kein Partner, Ausland, IVF, ICSI etc.) bin ich endlich mit 43 Jahren Mutter eines gesunden Kindes geworden. Ich habe vor einen Jahr meinen jetzigen Partner kennen gelernt. Wir (ich 47 und Mann 55) wollen nochmal ein Kind, da mein Mann noch keine Kinder hat. Jetzt haben wir die dritte Eizellenspende im Ausland hinter uns. Wir werden nicht aufgeben.
    Ich drück allem ganz fest die Daumen.

    Antworten

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