Zwillinge nach Eizellspende

Kinderwunsch Unplugged: Nach Eizellspende wurde ich schwanger mit Zwillingen

In der Reihe Kinderwunsch Unplugged führt Wegweiser Kinderwunsch Interviews mit Frauen und Männern, die sich sehnlichst ein Kind wünschen oder die lange keine Kinder bekommen konnten. Hier sprechen Betroffene über Themen, die normalerweise selten zur Sprache kommen und oft tabu sind. Du bist auf deinem Kinderwunsch-Weg mit allen seinen Sorgen, Ängsten und Nöten nicht alleine.

Heute im Interview:
Pippilottta, Bloggerin (7 ICSIC, 1 Eizellspende, Mutter von Zwillingen)

 

Es freut mich heute mit der Bloggerin Pippilottta (https://www.pippilottta.de) zu sprechen. Sie hat einen langen Kinderwunsch-Weg hinter sich. Trotz 7 negativen ICSIs hat sie die Hoffnung nie aufgegeben noch Mutter zu werden. Nach einer Eizellspende wurde der lang ersehnte Traum von einer eigenen Familie wahr. Mit Zwillingen!

 

Wegweiser Kinderwunsch:
Wer bist Du? Erzähle uns ein wenig über dich selbst.

Pippilottta:

Ich blogge als Pippilottta und lebe zusammen mit meinem Lieblingsmenschen und unseren beiden Mäusen in der Nähe einer norddeutschen Großstadt. Wir haben und verhältnismäßig spät kennengelern (2008) und 2013 mit Mitte 30 geheiratet, nachdem wir zuvor schon drei ICSI hinter uns hatten.

Ich hätte schon früher geheiratet (alleine schon, um uns die Kosten als Selbstzahler zu ersparen), aber mein Schatz wollte den Kinderwunsch und die Hochzeit getrennt voneinander sehen! Studiert habe ich BWL und habe bis zu dem Zeitpunkt, als ich meinen Arbeitgeber von meiner Schwangerschaft erzählt habe, eine tolle und verantwortungsvolle Position.

Danach bekam ich umgehend neue Aufgaben und habe mehr oder weniger nur noch Ablage machen dürfen. Natürlich ist es schade, denn ich habe meinen Job geliebt, aber ich weiß, wofür ich meine Karriere aufgegeben habe! Und ich würde immer wieder so entscheiden!

Wegweiser Kinderwunsch:
Was hast Du auf Deinem Kinderwunsch-Weg alles erlebt?

Pippilottta: 

Das erste Mal dachte ich, ich wäre schwanger, als ich 19 Jahre alt war. Mein damaliger Freund stellte mich vor die Wahl, entweder abtreiben oder er würde die Beziehung beenden. Wofür ich mich entschieden habe, könnt Ihr Euch denken. Schwanger war ich nicht, aber ich wusste, dass ich Kinder möchte.

Später irgendwann, wenn ich mit beiden Beinen im Leben stehe, etwas gearbeitet habe und natürlich DEN Mann gefunden habe.

Als wir ein Jahr zusammen waren, setzte ich die Pille ab und unsere Kinderwunsch-Achterbahnfahrt begann. Nachdem wir uns beide bei der Gyn bzw. dem Urologen untersuchen lassen haben, hieß es lediglich „mit ein paar Vitaminen klappt das schon“.

Dass mein Schatz so gut wie unfruchtbar war und ich kurz vor den Wechseljahren stand, sagte und zu diesem Zeitpunkt niemand. Einige Monate später suchten wir eine Kiwu auf und es ging los.

Zusammengefasst machten wir 7 ICSI, von der eine in einer Fehlgeburt endete, während denen wir etliches ausprobierten. Homöopathie, Akkupunktur, Chinesische Medizin, Entspannungsmassagen, Lymphdrainage, Psychotherapie.

Letztendlich wurde neben Unfruchtbarkeit (Mann) und Wechseljahren (ich) DIE Ursache herausgefunden, nachdem wir uns auf Eigeninitiative endokrinologisch komplett untersuchen lassen haben. Meine Killerzellen waren zu hoch und ohne spezielle Medikamente, die mein Immunsystem während eines Transfers herunterfahren würden, würde mein Körper jedes Himbeerchen bekämpfen…

 

Wegweiser Kinderwunsch:
Was hat dich dazu bewegt, deine Erfahrungen in einem Blog zu veröffentlichen?

Pippilottta:

Angefangen zu bloggen habe ich, nachdem wir unser 5. Negativ kassierten. Zu diesem Zeitpunkt stand fest, dass wenn die endokrinologische Untersuchung nichts ergeben würde, wir den Weg der Eizellspende gehen würden. Ich wollte, dass unsere Kinder später unseren Weg nachlesen könnten und ihn hoffentlich so verstehen würden.

Es gab so viel zu entscheiden, welches Land, welche Klinik, offene oder anonyme Spende und und und. Meine Kinder sollten nicht den Eindruck bekommen, wir hätten sie aus dem Katalog ausgesucht, sondern sie sollen genau wissen, wieso wir uns letztendlich für genau diesen Weg entschieden haben.

Dass das mit den Killerzellen herausgefunden wurde und wir somit weitere ICSI machen würden, ahnte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Eine Alternative zur Eizellspende wäre für meinen Lieblingsmenschen die Adoption oder Leihmutterschaft gewesen, für mich die Embryospende. Ich wollte selber schwanger sein und nicht jemandem anderen die Versorgung der Krümel überlassen…

 

Wegweiser Kinderwunsch:
Was waren für dich die größten Herausforderungen und Probleme in Bezug auf den unerfüllten Kinderwunsch?

Pippilottta:

Das ist eine gute Frage!

Ich denke, die größte Herausforderung war es, die ICSIs neben meinem Vollzeitjob heimlich durchzuführen. Für Untersuchungen bin ich um 5 Uhr aufgestanden, um 6 Uhr losgefahren, hatte meine Termine um 7 Uhr und war um 8 Uhr im Büro.

Für die Zeit nach der Punktion habe ich oft Urlaub genommen oder mich einfach krank gemeldet. Meinen Lieblingsmenschen und mich hat unser Kinderwunschweg nur enger zusammengeschweißt, denn wir haben immer sehr darauf geachtet, dass wir an einem Strang ziehen. Nachdem wir die ersten drei ICSIs innerhalb von 5 Monaten durchgezogen haben, hatte mein Schatz mir eine Zwangspause verordnet und das war genau richtig.

Kiwu Zitate

Man gerät in einen Strudel und es ist wie eine Sucht. Da ist es gut, wenn man hin und wieder einen Gang zurückschaltet und schaut, ob es noch genau das ist, was man möchte. Emotional habe ich die gesamte Achterbahnfahrt recht gut „überstanden“, was mit Sicherheit an meiner Familie und meinen Freundinnen lag, die mir bzw. uns ununterbrochen den Rücken gestärkt haben!

Bzgl. Der Kosten hatten wir das „Glück“, dass wir gerade ein Haus gekauft hatten und nun das Geld, was eigentlich für den Garten, einen Zaun etc. geplant war einfach umdisponiert haben. Dazu kam ein Bausparvertrag, der zuteilungsreif wurde.

 

Wegweiser Kinderwunsch:
Gab es für dich einen persönlichen Tiefpunkt und wie hast du ihn überwunden?

Pippilottta:

Als ich erfuhr, dass unser Stöpsel nicht mehr lebte, fuhr ich gerade mit einer Freundin in einen Laden, um Kinderwagen anzuschauen (Anruf unserer Kiwu).

Mein Lieblingsmensch war gerade auf Dienstreise und kam erst zwei oder drei Wochen später wieder. Ich habe meine Schwangerschaft mit Medikamenten herausgezögert, denn ich wollte, dass auch mein Schatz mit eigenen Augen sieht, dass unser Stöpsel von uns gegangen ist. Ich wollte auf keinen Fall die Ausschabung ohne ihn machen. Meine Werte wurden engmaschig kontrolliert, daher war es für die KiWu in Ordnung.

Die Zeit danach war dann mein persönlicher Tiefpunkt: Die Fehlgeburt, die Situation mit meinem Papa (er kam nicht zu unserer Hochzeit, da er meinen Mann nicht mochte), wir hatten fast ein Jahr keinen Kontakt (und auch heute ist er sehr provisorisch und beschränkt sich auf eine SMS zum Geburtstag), meine damalige berufliche Situation (mein damaliger Chaf hat mich (und viele andere der Abteilung) 7 Monate lang gemobbt, so dass ich irgendwann zusammengebrochen bin, eine Psychotherapie begonnen habe und anschließend mehrere Monate lang arbeitslos war).

Ich weiß noch, dass es ein wunderschöner Sommer war und ich diesen mit Tee und Wolldecke, emotional einem Eisblock gleich, auf unserer Couch verbracht habe. Diese Zeit habe ich gebraucht und sie hat mir gut getan! Danach war es auch wieder gut und ich war wieder die Alte!

Wegweiser Kinderwunsch: 
Was gab dir sonst noch Kraft und Mut auf deinem Weg?

Pippilottta:

Das mag für viele komisch klingen, aber am meisten haben mir meine Freundinnen gegeben, die fast alle während unseres Kinderwunschweges Mama wurden.

Dadurch, dass sie von unserem Weg wussten, wurde ich von Anfang an voll integriert und hatte nie das Gefühl, nicht „dazuzugehören“ (Es gab auch keine einzige, die blöde Sprüche gebracht hat, im Gegenteil: fünf meiner Mädels waren sogar bereit, mir ihre Eizellen zu spenden, wogegen wir uns letzendlich entschieden hatten).

Zu jedem Kindergeburtstag wurde ich eingeladen und die Schwangerschaft meiner einen besten Freundin habe ich so intensiv miterleben dürfen wie kein andere. Ich war sogar mit im Kreissaal und war bei der Geburt der kleinen Maus dabei!

Ich habe mir immer gesagt, dass die Kinder meiner Mädels (in Summe 14) unter Umständen die einzigen Kinder sein könnten, die ich haben würde. Wie hätte ich sie da meiden können? Ich habe mir einfach gesagt, dass es nicht darum geht, dass ich nun dran gewesen wäre (denn es gibt keine Liste, die das Schicksal „abarbeitet“), sondern, dass unsere Zeit einfach noch nicht gekommen sei.

Und ich hatte immer einen Plan B, es gab keinen Stillstand: Manchmal haben wir die Dosis der Medis variiert, ein anderes Mal kam die zum, Beispiel die Homöopathie dazu. Außerdem gab es unter meinen Blogschwestern ein paar tolle Frauen, die mir ganz viel Kraft gegeben haben!

Mittlerweile sind wir alle Mamas oder schwanger und stehen noch immer in Kontakt! Als nächstes habe ich, als die Eizellspende konkret wurde, mir ein Netzwerk von (Bald-) Mamis durch Eizellspende aufgebaut.

Inzwischen ist unsere Gruppe auf Facebook recht groß (ca. 30 Mamis, 15 Schwangere und viele, die noch am Anfang des Weges stehen) und es gab schon erste persönliche Treffen. Und ganz vorne natürlich mein Lieblingsmensch und meine Mama, aber das ist selbstverständlich, oder?

Wegweiser Kinderwunsch: 
Wie offen bist Du mit dem unerfüllten Kinderwunsch umgegangen? 

Pippilottta:

Zu Beginn hatte mein Lieblingsmensch Probleme damit, andere einzuweihen (das war, als er noch dachte, er wäre der alleinige „Verursacher“). Zu dem Zeitpunkt wussten es nur meine Mama und meine engsten Freundinnen.

Später sind wir mit dem Thema „künstliche Befruchtung“ recht offen angegangen: Sogar seinen Arbeitgeber hat mein Schatz informiert!

Dass unsere Mäuse durch Eizellspende entstanden sind, wissen jedoch nur meine Freundinnen, meine Mama und meine Schwester. Seinen Eltern und meinem Papa haben wir mal von der Möglichkeit erzählt, sie haben das Thema jedoch nie wieder angesprochen, weswegen es auch irgendwie überhaupt nicht wichtig ist!

Wegweiser Kinderwunsch:
Wurdest Du in Bezug auf den Kinderwunsch mit unsensiblen Fragen oder gut gemeinten Ratschlägen konfrontiert? Kannst Du uns ein Beispiel nennen und erzählen, wie du damit umgegangen bist.

Pippilottta: 

Zum Glück ist mir das Erspart geblieben!

Sogar eine wirklich sehr streng gläubige Freundin von mir (vor ihrer Reaktion hatte ich den meisten Respekt) freut sich riesig für uns und sagte etwas ganz Schönes.

Sie sagte, dass Gott uns unseren Verstand gegeben hat und die Möglichkeit, ihn einzusetzen. Wir können Leben retten und Krankheiten heilen, wie kann das schlecht sein? Ich muss dazu sagen, dass ich nicht an Gott glaube, sondern an das Schicksal.

Wegweiser Kinderwunsch:
Wie weit wärst Du für den Kinderwunsch gegangen, wenn es mit der ICSI nicht geklappt hätte?

Pippilottta: 

Da sich mein Lieblingsmensch und ich uns in Bezug auf unseren Plan C (Adoption bzw. Leihmutterschaft vs. Embryospende) uneinig waren, wäre nach der Eizellspende unser Weg zu Ende gewesen.

Nun sind wir gleich durch unseren ersten Versuch Eltern von unseren kleinen Mäusen geworden, womit ich ehrlich gesagt gar nicht gerechnet hatte, aber für den Fall, dass es nicht sofort geklappt hätte, hätten wir noch einige Transfere vor uns gehabt. Insgesamt hätten wir drei Frischversuche (plus die dazugehörigen Kryos) gewagt, was in Summe zwischen 6 und 9 Versuche bedeutet hätte.

Wegweiser Kinderwunsch:
Möchtest Du den Lesern sonst noch etwas mit auf den Weg geben? 

Pippilottta:

Wer sich für das Thema Eizellspende (oder auch unsere Mami-und-Schwangeren-Gruppe auf Facebook) interessiert, kann mich gerne über das Kontaktformular auf meinem Blog anschreiben (mit einer Beschreibung des eigenen Weges), dann füge ich Euch hinzu.

Bitte habt Verständnis, dass ich nicht jede Mail ausführlichst beantworten und auch keine Klinik empfehlen kann. Es gibt viele tolle Kliniken und jeder muss selber schauen, was ihm wichtig ist. Für die, die noch „auf dem Weg“ sind, haben wir eine zweite Gruppe wo wir Mamis von unseren Erfahrungen berichten. Beide Gruppen sind absolut geheim und niemand außer der Mitglieder kann Euch sehen.

Mein Ratschlag ist, sich Vertraute zu suchen. Eine künstliche Befruchtung und ganz besonders eine Eizellspende ist emotional ein ganz schön großer Brocken, den ich nicht alleine hätte stemmen können. Sucht Euch Verbündete und glaubt nicht alles, was Ärzte sagen.

Kinderwunsch und Ziele

 

Hinterfragt die Dinge und lasst Euch nicht einfach abspeisen. Haltet zwischendurch immer mal wieder an und schaut, ob es noch das ist, was Ihr wollt, denn manchmal vergisst man sich selber oder im schlimmsten Fall den Partner, weil man nur noch das Ziel sieht.

 

Überlegt Euch einen Plan B, so wisst Ihr im Falle eines Negativs immer, wie und ob es weitergeht – unsere letzte Alternative war ein Hund und jährliche Fernreisen.

 

 

 

 

 

 

Zum Schluss eines meiner Lieblingsmottos:

ICH WILL, das Wort ist mächtig,
sagt`s einer leise und still.
Die Sterne holt`s vom Himmel,
das kleine Wort ICH WILL.“

(Goethe)

 

Wegweiser Kinderwunsch:

Vielen Dank Pippilota für das bemerkenswerte Interview zu deinem langen und bewundernswerten Weg. Toll, dass du dein Ziel nie aus den Augen verloren hast und immer einen Plan hattest.

Die Erfahrungen mit dem Arbeitgeber und die Wirkung der Worte „Ich will“ habe ich in vergleichbarer Art und Weise gemacht. Auch wenn sich unsere Wege unterscheiden, sind wir beide Mutter geworden. Aber genau deshalb heißt dieser Blog „Wegweiser Kinderwunsch“. Es gibt nicht nur einen Weg zum Ziel. Am Ende zählt es glücklich mit dem eigenen Lebensweg zu sein.

Dir vielen Dank und deiner Familie weiterhin alles Gute.

 

Wie immer kannst du als Leser diesen Beitrag unten kommentieren. Pippilottta wird sich darüber sicher auch freuen.

 

 

4 Kommentare
  1. Avelyn
    Avelyn says:

    Es freut mich sehr, dass Pipillotta ihren Kinderwunsch verwirklicht hat. Ich hab aber nicht verstanden, wo genau sie schwanger geworden war. Undruchsichtig:) Und ob sie sich für anonyme oder offene Spende entschieden hat. Ich finde es auch gut, dass solche Selbsthilfegruppen existieren und das erleichtert dann die Wahl den Betroffenen. Man scollt durch solche Geschichte und sucht nach erfolgreichen, manchmal auch schlagzeilträchtigen Geschichten 🙂

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