Ablauf künstliche Befruchtung

Ablauf einer künstlichen Befruchtung – eine Kinderwunschpatientin berichtet

Was ist eigentlich eine künstliche Befruchtung? Wie läuft so eine IVF oder ICSI genau ab? Kann man sich darauf vorbereiten? Und wie fühlt man sich dabei? Vor dem Besuch einer Kinderwunsch-Klinik hat man viele Fragen. Hier sind die Antworten für dich.

Wenn du ungefähr 12 Übungszyklen hinter dir hast, der positive Schwangerschaftstest aber auf sich warten lässt, macht es Sinn über die Unterstützung einer Kinderwunsch-Klinik nachzudenken. Der erste Schritt ist ein Beratungsgespräch und eine ausführliche Untersuchung beider Partner. Je nach Befund entscheidet sich, welche Behandlungsmethode sinnvoll ist. Dabei muss es nicht immer auf eine künstliche Befruchtung hinauslaufen. Trotzdem ist es gut, wenn du vorab Bescheid weißt, wie so eine IVF oder ICSI abläuft. Ich habe mich deshalb mit Klara unterhalten, die uns Einblicke in ihre Behandlung gibt.

Vorbereitung auf die künstliche Befruchtung

Wegweiser Kinderwunsch:
Klara, du hast eine IVF (In-vitro-Fertilisation) hinter dir. Kannst du uns berichten, wie die Vorbereitung auf die IVF bei dir abgelaufen ist und was man alles beachten sollte.

Klara:

Nach unseren ersten Gesprächen und Untersuchungen in der Kinderwunsch-Klinik wurde uns zu einer IVF geraten. Ich muss zugeben, dass mich der Gedanke an eine künstliche Befruchtung lange Zeit abgeschreckt hat. Deshalb haben wir auch eine Weile gezögert, die Kinderwunsch-Praxis zu besuchen. Im nachhinein würde ich das Erstgespräch mit den Ärzten schneller suchen. Viele Zweifel und Ängste können dabei ausgeräumt werden.

Sobald der genaue Behandlungsplan feststeht, muss dieser von der Krankenkasse genehmigt werden. Die Höhe der Kostenübernahme hängt von der jeweiligen Krankenkasse ab. Bei verheirateten Paaren übernehmen manche Kassen sogar drei Behandlungen in voller Höhe. Es lohnt sich also, sich vorab bei der Krankenkasse zu erkundigen und vielleicht sogar frühzeitig über einen Wechsel nachzudenken.

Außerdem haben wir 3 Monate vor der Behandlung auf eine gesunde Lebensweise geachtet. Die Gelegenheitszigaretten sind weggefallen und Alkohol gab es nur noch ganz selten. Es ist wichtig, dass die Eizellen und Spermien bis zur IVF fit sind – die Reifung dauert bei beiden ca. 3-4 Monate. Außerdem habe wir beide Nahrungsergänzungsmittel genommen. Deine Blog-Artikel Pimp my eggs und Pimp my sperm habe ich erst jetzt gelesen. Aber durch den Austausch mit anderen Frauen haben auch wir in etwa die selben Nahrungsergänzungsmittel eingenommen, wie in diesen Artikeln beschrieben.

Hormonbehandlung

Wegweiser Kinderwunsch:
Nachdem die IVF-Behandlung von der Krankenkasse genehmigt wurde, ging es los. 

Klara: 

Genau. Eine IVF oder ICSI beginnt mit einer hormonellen Stimulationsbeahndlung der Eierstöcke. Das heißt, die Frau bekommt Medikamente, die die eigene Hormonproduktion unterdrücken und den vorzeitigen Eisprung verhindern. Bei mir wurde dafür vom Arzt ein „langes Protokoll“ festgelegt. Da bekommt man schon 10 Tage vor der Stimulation ein Nasenspray zur Downregulierung. Der genaue Ablauf und das „Protokoll“ hängt von der einzelnen Frau ab. Alles wird vorab genau erklärt und man bekommt einen schriftlichen Plan, damit man nichts vergisst.

Nach der Downregulierung zur Unterdrückung des Eisprungs beginnt dann die hormonelle Stimulation der Eierstöcke. Es sollen ja möglichst viele Eier in guter Qualität heranreifen. Bei mir war das jeweils morgens und abends eine Spritze „Gonal“. Es kostete mich einiges an Überwindung die erste Spritze selbst durch die Bauchdecke zu drücken. Aber ich kann euch beruhigen, es ist alles halb so schlimm und man gewöhnt sich schnell daran.

Wegweiser Kinderwunsch:
Wie hast du dich gefühlt während der Stimulation? Was passiert währenddessen?

Klara:

Manchmal hatte ich schon das Gefühl, dass die Hormonspritzen etwas aufs Gemüt schlagen. Ich war dünnhäutiger und empfindlicher in dieser Zeit. Aber ich kann nicht sicher sagen, ob es von den Hormonen kommt. Natürlich ist man innerlich sehr angespannt, weil man hofft, dass alles gut geht.

Nach ungefähr einer Woche war dann erste Arzttermin zum Ultraschall. Es wird überprüft, wie sich die Eizellen entwickeln. Bei mir waren Sie in dieser Phase noch zu klein und ich musste die Hormondosis erhöhen. Mit der Zeit spürte ich ein ganz schönes Ziehen im Unterleib. Aber trotzdem war ich auch beim nächsten Ultraschall noch nicht so weit und ich musste vor der Punktion zwei weitere Tage Gonal spritzen. Wie lange die Stimulation dauert, kann also von Frau zu Frau unterschiedlich sein, aber ca. 9-11 Tage sind normal.

Einleitung Eisprung und Entnahme der Eizellen

Wegweiser Kinderwunsch:
Wie werden die Eizellen entnommen? Und wie hast Du dich danach gefühlt?

Klara:

Bevor die Eizellen entnommen werden (Punktion), beendet man die Hormonspritzen und löst den Eisprung aus – auch mit einer Spritze. Ungefähr 36 Stunden nachdem der Eisprung per Hormonspritze eingeleitet wurde, findet dann die Punktion der Eizellen statt. Für die Punktion bekommt man eine kurze Narkose und man spürt daher nichts davon.

Zur gleichen Zeit hat mein Mann seine Spermien abgegeben. Dafür haben die Kinderwunsch-Praxen ein Zimmer, in dem es sich die Männer gemütlich machen und sich entspannen können. Vom Hörensagen, gibt es auch ein paar „Heftchen“ um das ganze zu unterstützen. Das ist vermutlich aber nicht überall gleich.

Als ich aus der Narkose aufgewacht bin, hatte ich ein Ziehen im Unterleib, das den ganzen Tag angehalten hat und auch noch am nächsten Tag spürbar war. Es haben sich 12 Eizellen punktieren lassen.

 

Befruchtung im Labor

Wegweiser Kinderwunsch:
Wie geht es nach der Punktion weiter?

Klara:

Für uns als Paar war damit der erste Schritt erledigt. Jetzt müssen die Ärzte und Biologen ihre Arbeit im Labor machen. Die Samenflüssigkeit wird zuerst aufbereitet, um die Befruchtungsfähigkeit zu verbessern. Dann werden Eizellen und Samenzellen in einer Nährflüssigkeit zusammengebracht und in einen Brutschrank gestellt. Es soll jetzt zur Befruchtung der Eizellen kommen. Bei der IVF müssen die Spermien also selbst in der Lage sein, in die Eizelle zu gelangen. Wenn die Spermienqualität zu schlecht ist, kann anstatt dessen eine ICSI gemacht werden. Dabei werden die Spermien dann in die Eizelle injiziert.

Am nächsten Tag durfte ich dann im Labor anrufen, um zu erfahren ob und wieviele Eizellen sich haben befruchten lassen. Vor diesem Anruf war ich mega nervös. Ich hatte echt Angst, dass es schon in dieser Phase scheitern könnte oder dass sich nur ganz wenige Eizellen befruchten lassen.

Aber nach dem Anruf wusste ich mehr: von meinen 12 Eizellen haben sich 6 befruchten lassen. Zwei davon sollten mir am nächsten Tag eingesetzt werden. Die restlichen vier wurden im vorembryonalen Stadium eigefroren. Diese „Eisbärchen“ lassen sich wieder auftauen und können bei einer „Kryo“ verwendet werden.

Übertragung von Embryonen in die Gebärmutter

Wegweiser Kinderwunsch: 
Nachdem die Eizellen befruchtet wurden, kommt es zum Embryonentransfer.

Klara:

Genau. Mein Mann und ich waren vor diesem Termin sehr nervös. Irgendwie ist es schon etwas besondere, wenn die Embryonen eingesetzt werden. Mein Arzt machte Späße nebenbei. Er hätte einen Jungen und ein Mädchen ausgewählt. Natürlich ist klar, dass unsere Gesetzgebung eine Auswahl nicht zulässt. Er wollte mich nur ablenken, da er mir währenddessen den Katheder in die Gebärmutter geschoben hat.

Wegweiser Kinderwunsch:
Wie hast du dich nach dem Transfer gefühlt?

Klara:

Erst mal war es schon ein besonderes Gefühl nun „Leben“ in mir zu haben. Andererseits war ich natürlich total ängstlich und in Sorge, ob dieses Leben auch weiter wächst und sich die Embryonen in der Gebärmutter einnisten. Ich war bei meinen Aktivitäten vorsichtiger und habe mir bei allem Gedanken gemacht. Darf ich schwer heben? Darf ich in die Badewanne? Was tut mir gut, was schadet mir?

Außerdem musste ich in dieser Phase weiter Hormone nehmen, um die Einnistung zu unterstützen. Das Utrogest wurde vaginal eingeführt.

Schwangerschaftstest

Wegweiser Kinderwunsch:
Wie lange muss man warten, um zu erfahren, ob es geklappt hat?

Klara:

Nach dem Transfer dauert es bis zum Bluttest in der Regel zwei Wochen. Nach einer Woche war ich mir ziemlich sicher, dass es nicht geklappt hat. Ich hatte ständig das Gefühl meine Tage zu bekommen. Aber es bringt relativ wenig zu viel in sich hinein zu hören. Das Utrogest verändert den Körper und es kann auch dadurch zu einem Ziehen im Unterleib kommen.

Ich selbst habe es nicht bis zum Bluttest ausgehalten und habe bereits nach 12 Tagen einen Pipistest gemacht. Bei unserem ersten Versuch war der negativ. Für mich war es aber gut, dass ich vor dem Bluttest selbst getestet habe. Dadurch war ich auf den Bluttest beim Arzt vorbereitet.

Ich habe morgens mein Blut abgegeben und durfte nachmittags anrufen, um das Ergebnis zu erfahren. Tagsüber konnte ich mich kaum auf die Arbeit konzentrieren. Diese Warterei ist einfach schrecklich! Am Telefon erfuhr ich dann: „Es hat leider nicht geklappt. Nicht aufgeben.“ Ich fühlte mich nun einfach nur leer. Nicht mal weinen konnte ich im ersten Moment. Im Gegensatz zu meinem Mann, er hat geweint, als ich es ihm am Telefon gesagt habe. Die nächsten Tage fühlten wir uns einfach nur total ausgelaugt und kraftlos.

Wegweiser Kinderwunsch:
Wie ging es nach dem ersten negativen Versuch bei dir weiter?

Klara:

Wir haben einige Zeit gebraucht, um neue Kraft zu schöpfen und uns dann an einen Kryo-Versuch gewagt. Die eingefrorenen Embryonen wurden dazu aufgetaut und die hormonelle Stimulation im Vorfeld entfällt. Außerdem kam Assisted Hatching zum Einsatz. Das ist so eine Art „Schlüpfhilfe“ bei der die Hülle des Embryos mit einem Lasergerät angeritzt wird.

Die Wartezeit war auf jeden Fall genauso aufregend wie beim ersten Versuch. Man kann einfach nichts tun, außer auf ein Wunder der Natur zu hoffen. Bei uns ist dieses Wunder dann eingetreten, ich bin gerade im 3. Monat schwanger und wir sind überglücklich bald Eltern zu werden.

 

Wegweiser Kinderwunsch:
Wir freuen uns mit euch! Vielen Dank Klara, dass du unseren Lesern so ausführlich beschrieben hast, wie eine künstliche Befruchtung abläuft und auch wie man sich dabei fühlt. Alles Gute für die 
Schwangerschaft und Eure Zukunft als Familie.

Gerne können die Leser hier einen Kommentar für Klara hinterlassen (auf der Seite ganz unten).

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1 Antwort
  1. Kathi Rüter
    Kathi Rüter says:

    Schöner Blogartikeln. Ich selbst schreibe auch ein Blog zum Thema Kinderwunschtipps. Eine Schwangerschaft ist wirklich ein großes Geschenk und dann zu sehen wie dein Kind wächst. Ich leider hatte auch noch kein Glück. Habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Ich kämpfe noch. Leider geht mein Kinderwunsch ohne künstliche Befruchtung nicht in Erfüllung. Erfahrungen von anderen sind jedoch immer interessant. Weiter so ! Lieben Gruss Kathi

    Antworten

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